Sehr gemütlich

und geruhsam war dieser letzte Tag eines großartigen Jahres. Alle Erinnerungsstücke, die den Kamin während des Jahres zieren, werden abgenommen und in einem Sackl verstaut. Dann zeigt sich unsere Feuerstelle zumindest für einen Tag ganz in Weiß mit einer Bierkrone.

Bedankt und gewürdigt haben wir dieses Jahr mit einer Flasche Rotwein aus dem Chianti, den wir an Ostern mitgenommen haben. Aus jenem Weingut, in dem die riesige Franziskusstatue steht. A guats Nuis e Buon anni a tutti.

Nåchschmecken

ist wohl ein treffendes Wort für das, was wir im Moment tun. Den Osterurlaub verkosten, den feinen Tagen nachspüren und sie nachwirken lassen. Dazu gehört auch das Mitgebrachte an einen stimmigen Ort zu bringen. Dieser Italienkarte, die voll mit gezeichneten Bauwerken und den typischen Merkmalen der jeweiligen Region ist, konnte ich nicht widerstehen. Hermann seinerseits konnte dem Straßenschild, das da einsam und verlassen am Wegrand lag, nicht widerstehen. Und so ist unser Stiegenaufgang, der zum Beginn und zum Ende des Tages gehört, noch voller mit Erinnerungen, mit Urlaub, mit Lebendigkeit.

Die Kartoffel habe ich bei einem Einkauf für unser Frühstück in San Donato entdeckt. Um der Liebe Ausdruck zu verleihen habe ich sie mitgenommen und meinem Gemahl geschenkt. Daheim hat sie ihren Platz am ALTAR bekommen. Gestern habe ich entdeckt, dass sie aus allen Ecken und Enden sprießt. Ja, dann lassen wir sie sprießen die Liebe und den Erdapfel.

Nach 2222,2 km bei -2 Grad

sind wir nach neun Stunden Fahrt wieder in Mühl angekommen. Glücklich und zufrieden über das Erlebte und Gesehene, aber nicht wirklich erfreut über die Kälte und den Schnee…..
Gott sei Dank haben wir reichlich gute Kraftnahrung in fester und flüssiger Form mitgenommen. Das brauche ich, um diese NORDSTAULAGE auszuhalten.

Die Entscheidung

haben wir erst während unserer Reise gefällt. Alle haben ihr Organisationstalent und ihren guten Willen zum Einsatz gebracht. Letztendlich ist es gelungen, die Osternacht in der GRANDE FAMIGLIA in Orvieto zu verbringen. Unser Hotel war nur einen Steinwurf vom Theater, in dem wir geheiratet haben, entfernt. Ein würdiger Ausklang unserer Osterreise 2015!!

Der Zufall

hat uns dann ins IL POZZO geführt. Ein Lokal mit sehr guter Küche, freundlicher Bedienung und einem feinen Ambiente. Etwas überrascht war ich dann schon, als ich in der Fotogalerie, die es in vielen Lokalen zu finden gibt, ein Foto von drei jungen Männern gesehen habe. Lang, lang ist es her, aber irgendwann haben Ted, Bob und John F. Kennedy dieses Lokal besucht. Von Ted gab es dann auch noch Bilder aus späteren Jahren. Verwunderlich was es in so einem winzigen Ort in der Toskana alles zu erzählen gibt.

Monteriggioni

Für den Besuch von diesem Kleinod, das ein guter Läufer in 10 Sekunden durchqueren kann, so stand es in einem unserer Führer zu lesen, haben wir uns am Karsamstag entschieden.
Ein reizender Ort, die Stadtmauer mit ihren Türmen ist noch vollständig erhalten, alle Häuser sind aus dem gleichen Stein gebaut, in den Geschäften kann man qualitativ hochwertiges Handwerk kaufen und die Pilger des Franziskusweges werden herzlich willkommen geheißen.

Chianti – das Bier-Land!

In guten Lokalen gibt es besondere Biere wie das Grand Cruz von Moratti (in Siena an der Piazza del Campo). Wie überall in Italien, wo wir in der letzten Zeit waren, gibt es aber auch Kleinstbrauereien, die Biere brauen, die mit dem, was hierzulande unter Bier verstanden wird, kaum was zu tun haben. Zuallererst wird mit Hopfen freizügig umgegangen – davon ist meist viel drin, auch wenn es nicht IPA genannt wird. Seit wir selbst aus dem Hopfen in unserem Garten Bier gebraut haben, wissen wir erst, wie Hopfen wirklich schmeckt.

Ein tolles Bier aus dieser Kategorie ist das obergärig gebraute Arribal Fennek, das in Poggibonsi gemacht wird (die Verkehrs-Drehscheibe für alle Siena nahen Orte wie San Gimignano, San Gargano und Volterra) und das wie selbstverständlich in Volterra in einem kleinen Jazz-Cafe angeboten wird. Reife Bananen!

In Siena, im Consorzio Agrario Siena, kaufen Angelika und Eva einige besondere Biere ein, bis auf eines warten alle noch auf Verkostung.

Im Dorfladen von San Donato, dem kleinen Örtchen an unserem Standort, entdeckt Angelika Biere, die durch die Gestaltung des Etiketts, den Namen (Math?) aber auch durch philosophische Sprüche auffallen. Bunt, verschiedene Zahlen als Name – Neugier geweckt. Aber dann geht es erst richtig los: neben allem, was durch die Auswahl des Malzes und dessen Rüstung möglich ist, brauchen sich Bierbrauer, die kreativ sind, auch nicht an das (deutsche) Reinheitsgebot zu halten – warum auch: in Bier kann auch noch anderes drin sein als Wasser, Hopfen, Hefe und Malz: Gewürze wie Koriander, Blüten wie Jasmin…

Wir kaufen die kleinen Bestände des Ladens zweimal auf, genießen zuhause in unserem Agriturismo und beschließen, am Abreisetag die Brauerei in Tavarnelle zu besuchen: irgendwo im Gewerbegebiet versteckt braut Matteo (daher der Name) seit vier Jahren in einem 1000-Liter Kessel, der mit Feuer beheizt wird (!) seine Spezialbiere, die Zahlen und Sprüche haben biographischen Hintergrund. Sympathisch erklärt er alles (Amerikaner sind auch gerade da), wir verkosten gerne und nehmen glücklich ein paar Vorräte mit. Favorit: das 70er, sehr gefällig und fruchtig, das 10.000er, Hopfenbombe, aber auch das 27er, dunkel, süß, hat seine Reize, das 16er ist das mit Jasmin, herrlich, fehlt da noch eines?