Orangenlikör oder Orangenmarmelade

Einige unserer Gewächse lehren mich heuer neue Erfahrungen. In all den Jahren da dieses Orangenbäumchen schon bei uns ist, hat es aus den hunderten Blüten ein paar Früchte hervorgebracht. Heuer habe ich das Gefühl, dass aus allen Blüten eine Frucht geworden ist. Einmal habe ich schon abgeerntet, jetzt folgt die zweite und allem Anschein nach reifen auch die noch leicht grünlichen Früchte aus. Bleibt nur noch die Frage, Marmelade oder Likör- oder beides.

“Wozu Paradies, wenn Erde so schön ist”

Dieser Satz stammt von einem jungen Moslem, der von Mazi begleitet wird und der sich seine Lebensmöglichkeiten sehr genau anschaut. Diesen Satz habe ich mir mitgenommen, beschreibt er doch sehr treffend, was ich in den letzten Tagen erleben durfte.

Der Besuch von Andi und Mazi war im Kalender eingetragen. Punktgenau mit der Fertigstellung von Haus und Hof sind sie in Mühl eingetroffen. Dass es dann aber zwei Tage später klingelt und MEIN NUMERO UNO mit Familie steht vor der Türe hat dem Leben dann doch die Krone von Freundschaft und Beziehung aufgesetzt. Im Gepäck hatten sie die Leichtigkeit und die Lebenslust gepaart mit all den Sorgen, die Menschen untereinander und miteinander teilen.

Das Klingeln war damit aber noch nicht zu Ende. Pia hat es sich nicht nehmen lassen, ihren orvetianischen Freunden Grüß Gott zu sagen. Um zu späterer Stunde mit den Mädels auf ein Bier zu gehen. Genau: WOZU PARADIES, WENN ERDE IST SO SCHÖN?

Sommersonnenwende 2017

Das Sterben und die Todesstunden

Die Sonne taucht die Berggipfel in ein weiches, warmes Goldgelb. Ruhe,Stille und Frieden liegt in der Luft.
Mein Kaffee dampft vor sich hin und erweckt meine Lebensgeister Schluck für Schluck.
Ja, ich mag heute diese Erfahrungen, die ich schon gezählte vier dutzendmal hinter mir habe zu Papier bringen – zu digitalem Papier.
Der Lehrplan, die Lebenserfahrung, zahllose Bücher, Vorträge, Filme, meine Hospizausbildung und das entsprechende Praktikum dazu haben mir die eine oder andere Theorie zu diesem Thema gelehrt. Leben gelernt habe ich dieses Sterben mit meinen Hennen. Ich habe damals nicht im Geringsten erahnen können, was es bedeutet eine Hühnerschar zu erleben. Sie waren mit einer Entscheidung Teil meines Lebens – diese Geschöpfe Gottes.

Ja, alle Erscheinungsformen des Lebens sind Teil der Natur und Teil der Schöpfung – das mit Gott und dem Göttlichen kann jeder für sich ausmachen. Sie sind einmaliges und einzigartiges Geschenk und somit unwiederbringlich Teil des Ganzen. Wir atmen dieselbe Luft, schauen auf denselben Sternenhimmel und lassen uns von derselben Sonne erwärmen.
Die geteilte Zeit und die Liebe sind die Grundfeste jeder Beziehung zu einem anderen Lebewesen. Ja, eine Henne, mit der ich Tag für Tag durchs Leben gehe, kann mir mehr fehlen als ein Mensch, mit dem ich keine Zeit mehr verbringe… auch das ist Sterben – immer weniger miteinander…

Jetzt bremse ich mich ein, um nicht eine Abhandlung über die Formen des Sterbens und des WERDENS zu verfassen. Ich mag noch einmal zurück zu diesen existenziellen Erfahrungen, ein Lebewesen im Sterben und in seiner Todesstunde begleiten zu dürfen.
Ja, zu dürfen. Wenn die Zeit der Chancen, der Möglichkeiten und der Heilung vorbei sind und wenn ich, um in den Worten von Günter zu bleiben, DER HOFFNUNG NICHT MEHR AUF DEN LEIM GEHE, dann, ja dann ist diese unwiederbringliche Zeit des Sterbens und der Todesstunde da.

Da liegen sie dann in den meisten Fällen auf meinem Schoß, der Kamm und die Lappen haben schon an Farbe verloren. Die Augen stellen dieselben Fragen. Verwunderung, Angst, ich kenne mich nicht aus, bist du noch da?… das gelebte Leben noch einmal in Erinnerung rufen… in meinen Armen noch einmal durch den Garten gehen, Sonne im Gefieder spüren…langsames, ruhiges Atmen, aufbäumen und wieder ruhig werden. Das Essen und das Wasser kann man dann beiseite stellen, das ist nur mehr hinderlich in der Vorbereitung zum Fliegen – zum großen Übergang des Lebens – von einem Ort zum anderen. Der Kopf wiegt sich hin und her, sagt noch einige Male NEIN und JA zum Erlebten. Wenn ich großes Glück habe, gibt es noch den einen oder anderen Augenaufschlag… letzte Blicke, die alles klären.

Tiefe Ehrfurcht breitet ihren Mantel aus, die Welt bleibt draußen und diese weichen, warmen Tränen rinnen über die Wangen. Das ist kein Schmerz und kein Weh mehr…jetzt und in der Stunde unseres Todes…nur mehr dieses Wunder Leben.

Ich bin unendlich dankbar, mit all diesen Wesen, das Sterben derart erleben zu dürfen. Sie sind mir wahre Lehrmeister dieses Wunders geworden…

Wunderpflanze

Ich weiß nicht einmal, wie diese Pflanze heißt. Sie hat sich von sich aus in unseren Garten gesetzt und ich habe sie stehen lassen, weil sie so versteckt zwischen der Lienzrose herausragt. Im Schneefall und am Morgen hat sie die Blätter ganz eng am Stengel angelegt und schaut erfroren aus. Aber wenn die ersten Sonnenstrahlen auf ihre Blätter fallen, steht sie da, als ob Sommer wäre. Mein tägliches Wunder.

Winterblüten

Das Knospen und das Aufblühen in den Wintermonaten vermittelt mir immer aufs Neue das Wunder der Natur.

Sei mir willkommen 2017