Orvieto, am Gründonnerstag 2018

So war der Plan: den Gründonnerstag wollten wir in Orvieto verbringen. Jener Tag, den ich liturgisch bis heute nicht aushalte.

Diese Verlassenheit von allen Menschen und Weggefährten und dieses Ausgeliefertsein im Garten der Todesangst.

Welcher Ort ist in der Lage, all diesen Schmerz aufzufangen? Orvieto.

Genau.

Anfänglich war es schon ein recht eigenartiges Gefühl nicht in die Stadt hineinzufahren, doch dann, beim Anblick dieses auf Fels gebauten Ortes- direkt vis-a-vis: wohltuend und beeindruckend wie immer.

Bei Nacht genauso anmutig wie bei Tag.

Der Besuch im Vinosus war dann doch sehr berührend.

Der inzwischen verstorbene Besitzer Luca, von dem es bis heute zahlreiche Erzählungen und wohl auch Legenden gibt, mitten in dem Gemälde vom letzten Abendmahl.

Die Worte von Fede, der uns damals bei der Wahl des Lokals für unsere Hochzeit behilflich war, klingen mir noch heute im Ohr.

Es ist ein ausgezeichnetes Lokal, aber der Besitzer ist verrückt.

So liebenswert können Verrückte sein.

Und so schön die Stadt, in der wir uns nach italienischem Recht das JA-Wort gegeben haben.

Essen in der Trattoria Vinosus

Die letzten Male in Orvieto gehörte ein Besuch im Vinosus, wo wir unser Hochzeitsmahl hatten, einfach dazu.

Es war Mittag, für draußen zu kühl, daher das erste Mal innen, wo in einem kleinen Raum vielleicht acht Tische Platz finden. Wir waren die ersten, mit der Zeit kamen noch ein paar Gruppen dazu. Die Karte überschaubar, die Bedienung wie immer angenehm und kundig — die Weinempfehlung wunderbar.

Worauf wir Lust hatten und ein bisschen Neugier bestimmten die Auswahl: Angelika ein Kichererbsenpürree mit Garnele (sehr fein und zart), ich Sardellen, um Brotstäbe gewickelt, mit Broccoli (eine perfekte Kombination).

Danach nahm Angelika eine Bohnensuppe (drei verschiedene Bohnensorten, zum Niederknien) und als Hauptgang Cacio e Pepe (sehr gut, schafften wir auch zu zweit nicht mehr ganz; als Einstimmung auf Rom!). Ich traute mich über eine Taube — piccione all’orvietana, ein traditionelles Osteressen. Sehr intensiv, das Fleisch fast wie Wild, auch sehr dicht im Geschmack. Eine Nachspeise (Vin Santo mit einer herrlichen Creme und hausgemachten Keksen) war der krönende Abschluss.

Orvieto in der Klockerei

Es passiert uns nicht oft, dass unser großer Tisch nicht mehr ausreicht um allen Gästen Platz zu bieten. Am Samstag war es wieder einmal soweit. Wenn schon Besuch aus Orvieto, dann fragen wir doch gleich Nico und Antonia ob sie auch zum Essen kommen wollen. Und zu unser aller Freude waren gerade noch seine Eltern auf Besuch. Das war ein Hallo und ein Halleluja, so dass uns das passiert ist, was uns bei solchen Begegnungen recht oft passiert: Obwohl wir beide die Kamera vorher “griffbereit” herrichten, vergessen wir ob der lebendigen Gespräche und dem Glachter darauf, auch ein Foto zu machen. So dienen die Fotos DANACH der Erinnerung, die restlichen Bilder sind Herzfotos und somit an einem Ort, der die Taste löschen nicht kennt. Augen zu und Film ab…

Compasso D’Oro – der goldene Zirkel

Sie ist wieder da, unsere Alessi und mit ihr ein ganzes Geschichtenbuch. Wenn ich sie in die Hand nehme, dieses Edelstahlteil, dann sehe ich das Geschäft in Orvieto vor mir, Hermanns strahlende Augen und seine Abhandlung über Schönheit, Funktionalität und Design klingt mir noch heute in den Ohren. New York…modern art…Preise…tropffrei…Sapper…
Damals habe ich einiges dazugelernt, was sich in der Welt des Designs so alles ereignet und zuträgt. Welche Namen, Kriterien und Preise es in der Welt der Schönheit gibt.

Ja und dann war da der Tag an dem ein Missgeschick den unwiederbringlichen Schaden angerichtet hat. Aber Alessi wäre nicht Alessi, wenn da nicht ein kulantes Kundenservice Teil des Konzepts wäre. Ja, es ist uns zwar eingefallen, dass es da persönliche Kontakte zu den Firmeninhabern gibt ( Jona und Paolo – schon wieder eine Geschichte), aber… das nehmen wir vielleicht ein andermal in Anspruch. Oder wir fahren in Omegna vorbei (Geschichte Teil drei).

Zurück zum Kundenservice: Gestern ist sie angekommen, die Kaffeemaschine, die einfach einen richtig guten Kaffee hervorblubbert und dabei leise vor sich hin zischt.

Jetzt wollte ich es noch einmal genau wissen, wie das war mit Richard Sapper und dem Compasso D’Oro und New York. Siehe da der Geschichte vierter Teil taucht vor meinem Auge auf: Wir sitzen in Mailand im Dachrestaurant vom La Rinascente( jetzt geht die Sehnsucht und das Fernweh mit mir durch).

Ganz schön viele Geschichten, die mich mit jeder Tasse Kaffee in den Tag begleiten. Schöne Geschichten. Lebensgeschichten. Unsere Lebensgeschichten.

Bei unseren Freunden in Orvieto

Vielleicht zum letzten Mal für längere Zeit besuchen wir Orvieto, eine Stadt, in der unsere Freunde mehr als ein Jahrzehnt verbracht haben. Dass es überhaupt möglich war, einen gemeinsamen Termin zu finden, grenzt an ein Wunder – so vielfältig sind die Aktivitäten aller Beteiligten. Wie so oft nehmen sie uns zu sich auf, wir leben einen Abend und einen halben Tag miteinander, die Blicke zu diesem und von diesem Balkon sind voller guter Erinnerungen und nur ein bisschen wehmütig.
Wir essen gemeinsam beim Vinosus, reden miteinander über die Vergangenheit und viel über die Zukunft und machen am nächsten Tag eine Abschiedsrunde zu den für uns so geschichtsträchtigen Plätzen: zur Piazza Duomo (hier begann fast jeder Tag in Orvieto bei einem Glaserl), zum Teatro, in dem wir geheiratet haben. Glücklich fahren wir wieder in die Marken.

Wenn wir schon

gerade nicht nach Orvieto kommen, kommt eben Orvieto zu uns. Dottore Nico hat uns besucht. Endlich! Und vor lauter Ratschen habe ich aufs Fotografieren vergessen. Aber es ist eh höchste Zeit, auch einmal ein paar Fotos mit leeren Tellern zu zeigen. Die Menüabfolge schreibt dann der Chef des Hauses.

Trattoria Vinosus

In dieser Trattoria haben wir unsere Hochzeit gefeiert – vor nunmehr zwei Jahren. Der Wirt Luca Fratini hat uns damals getreu seinen Grundsätzen, dass für alle Speisen die „Qualität der Zutaten“ und das „Typische der Region“ am wichtigsten sind, ein traumhaftes Menü beschert. Leider ist er letztes Jahr gestorben – am Tag als wir dort ankamen um sein Lokal zu besuchen. Seine Lebensgefährtin Rita Angeli führt es nun weiter (und kocht!) – und das ganz in seinem Sinn: wir waren beglückt von Burrata, Tagliatelle mit Trüffeln und Ziegenkäse mit Mohn. Sofort wieder!

Die Entscheidung

haben wir erst während unserer Reise gefällt. Alle haben ihr Organisationstalent und ihren guten Willen zum Einsatz gebracht. Letztendlich ist es gelungen, die Osternacht in der GRANDE FAMIGLIA in Orvieto zu verbringen. Unser Hotel war nur einen Steinwurf vom Theater, in dem wir geheiratet haben, entfernt. Ein würdiger Ausklang unserer Osterreise 2015!!

Handwerkskunst

Wenn Menschen, in diesen beiden Fällen waren es Frauen, ihre Ideen Gestalt werden lassen, dann strahlt das für mich immer eine ganz besondere Anziehung und Energie aus.

Zum einen haben wir bei der Töpferin in Orvieto vorbeigeschaut und zwei neue Leuchtkörper für unseren Wohnraum erstanden. Noch ein bißchen mehr Erinnerungen an den warmen Süden.Und zum anderen hat ein junges Mädchen, deren Stand wir beim Markt in Holzgau besucht haben, Schwemmholz aus dem Lech zu LAMPEN verarbeitet. Sie werfen tanzende Schatten an die Wände. Unser Haus ist um einige LICHTQUELLLEN reicher und gemütlicher geworden.

In Orvieto

haben wir uns immer wieder mit dem beschäftigt, was für uns sehr wichtig ist: gutes Essen!

Alles hat diesmal ja im herrlichen La Palomba begonnen, die beste Carbonara meines Lebens mit den für diese Gegend typischen selbstgemachten Nudeln und Trüffeln! Trüfffffeln!! Dann noch geschmortes cinghiale. Grandios!!

Orvieto ist eine cittàslow, es gibt dort einige, die sich dem slow food-Gedanken verschrieben haben und daher war das auch diesmal wieder für uns sehr wichtig. Ein Spitzenkoch, Gianfranco Vissani hat sich inzwischen in Orvieto niedergelassen (da waren wir – noch – nicht). Die Pizzeria, in der Pia gearbeitet hat, Pizzeria Charly ist genau so gut wie vor einem Jahr und das Bier von Almond 22 schmeckt genauso herrlich wie damals, am Freitag vor unserer Hochzeit. Und bei Dai Fratelli kann man einkaufen, wie sonst nirgends.

Und wer sich nun fragt, warum diese paar Zeilen nicht für alle interessanten Begriffe,  Artikel und Namen Links enthalten: ich bin eigentlich noch im Urlaub, genieße das “la dolce link niente“ und verweise euch alle auf Tante Google, die weiß das alles und noch viel mehr…

 Again and again we looked for something in Orvieto which is very important for us: good food! And this travel started in the beautiful La Palomba, where I ate the best carbonara of my life with the typical local fresh pasta and truffles! truffffffles !! Then braised cinghiale. Terrific!! Orvieto is a Cittàslow, there are some who have dedicated themselves to the slow food idea and so this was once again very important for us. A top chef, Gianfranco Vissani has now settled in Orvieto (where we did not eat yet). The pizzeria, where Pia worked, Pizzeria Charly is just as good as a year ago and the beer tasted just as glorious as on the Friday before our wedding. And in Dai Fratelli can buy things you will find nowhere else.

And for those who ask why these few lines do not contain any links to all the interesting concepts, products and names: I’m actually still on vacation, enjoying the “la dolce link niente” and refer you all to auntie Google who knows all and much more …

Der erste Hochzeitstag

Sehr früh sind wir aufgestanden, um uns einen Traum zu erfüllen – wie wir es jetzt im Nachhinein nennen. Damals, vor 14 Tagen, war der Aufbruch geprägt von Reiseaufregung und Vorfreude.

Immerhin haben wir uns aufgemacht mit unserem Volvo, der inzwischen 19 Jahre im Motor hat und unseren beiden Hunden in den Süden zu fahren. Das ERSTE MAL in dieser Konstellation. Und so war unser erster Hochzeitstag geprägt von Wärme, Sonne, dem ersten Espresso an der Raststätte, einer schlafenden Pia auf der Rückbank und vielen Kilometern auf der Autobahn.

Gekrönt wurde dieser Tag mit einem Besuch auf dem Domplatz von Orvieto, dort, wo wir vor einem Jahr unsere Hochzeit gefeiert haben und einem hervorragenden Essen mit unseren Freunden Federico und Ines. Es war ein würdiger erster Hochzeitstag und wir waren im Erinnern sehr erstaunt, was alles in einem Jahr Platz hat.

We rose early to accomplish a dream as we now call it in retrospect. At that time, 14 days ago, the departure was full of excitement and anticipation. After all, we went by car with our Volvo, whose motor now runs for more than 19 years and our two dogs to ride in the south. The FIRST TIME in this constellation. And so our first wedding anniversary was heat, sun, the first cup of coffee at the service area, a sleeping Pia in the back seat and many, many miles on the highway. The day was crowned with a visit to the Cathedral square of Orvieto, where we celebrated our wedding a year ago and, nearby, with an outstanding, very excellent meal with our friends Federico and Ines. It was a worthy first wedding anniversary and we have been very surprised when remembering what happened in a one years course.

Bei unserer Hochzeit

in Orvieto haben wir schon gewusst, dass wir mit allen gemeinsam zuhause feiern wollen – und als Termin kam eigentlich nur Pfingsten in Frage: die Tage des heilenden und heiligen Geistes, der Ruach. Wie viele mitgeholfen haben, dass soooo schönes Wetter wird, wissen wir nicht, aber wir bedanken uns herzlichst.
Fürs erste diese paar Fotos, weitere folgen (hier)!
Danke an alle, die da waren, die dieses Fest zu dem gemacht haben, was es war und Danke an alle für die tollen und unheimlich guaten Geschenke!