Fresssackl und Prachtweib

schmusig, sugelig, lässt sich gern massieren. So steht es bei Eigenschaften in unserem Hennenbuch auf Seite neun unter dem Namen Paula. Es steht auch immer dabei, woher der Name kommt und was er bedeutet. Paula ist Hermanns Erbe- dieser Name war einer der ausgesuchten Möglichkeiten für seine Tochter Eva und bedeutet DIE KLEINE.

Ja, sie war ein Prachtweib und mit ihren 6 Jahren und 11 Monaten die älteste in unserer Schar. Man hat es ihr schon seit geraumer Zeit angemerkt, dass sie alt wird.

Kalt und feucht waren die letzten Monate und mir war klar, dass es ein Wunder wäre, wenn sie über den Winter kommt. Der dauert bei uns einfach viel zu lange.

Wenn man sich so lange kennt, wie Paula und ich, dann weiß man auch, wann die Zeit da ist.

Ich habe sie unter Tag ins Haus geholt, damit sie es fein hat und ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann: essen.

Ihre Knochen waren müde und sie ist mehr gesessen als gegangen, aber sie hat immer noch mit derselben Leidenschaft gepickt und gekostet. Nach einer Runde im Garten habe ich sie wieder in den Stall gebracht.

Dort ist sie einfach eingeschlafen. Ganz ruhig und zufrieden.

Die Himmelmuater hat sie mit einer schönen Sterbestunde gesegnet und mein erster Adventsonntag war geprägt von einem Oratorium an Erinnerungen.

Ein gutes und schönes Leben ist mit einem guten und schönen Sterben zu Ende gegangen. Danke, dass ich dich über eine so lange Zeit erleben durfte. Im Sterben noch ein Prachtweib.

Pforzheim ist eine Goldstadt

und feiert heuer 250 Jahre. Dieses Wissen hat mir mein heuriger Adventkalender in Haus gebracht. Bereits zum zweiten Mal lassen wir uns von den Kalea- Bierkalendern durch den Advent begleiten. Kreativität innen wie außen und immer was zum schmunzeln dabei.

Ein Knopf als Kronenkorken und Stoffmuster vom Schneider.

Was sich da jede Kleinbrauerei immer alles einfallen lässt.

Jede Flasche hat eine Geschichte auf Lager.

Erinnerungen an Claudia und Robert und Neuentdeckungen. Mei, kann das Leben vielseitig sein.

Die erste Kerze brennt

Adventkranz 2017

Er erscheint mir heuer besonders symbolträchtig. Viele Elemente der letzten Jahre und des letzten Jahres, das doch ein ganz spezielles für uns war, sind miteinander verwoben.

Der Auslöser, dass ich heuer die Form von einem Kranz haben möchte, war das unbeabsichtigte Ausgraben einer Wurzel der Lockenweide. Ein Wunderwerk der Verästelung und Biegsamkeit- oben wie unten. Daraus habe ich so auf die Schnelle einen Kranz geflochten und trocknen lassen. Der Rest war dann recht schnell klar.

Viel Gold und Glitzer wollte ich heuer haben,

aber nur von den besonderen Fundstücken aus Hof und Garten.

Da der 4. Adventsonntag heuer zugleich der Heilige Abend ist, steht anstelle der 4. Kerze eine gewachste Blumenzwiebel.

Auch der Gaudetesonntag hat seine eigene Kerze.

Das Grün hat mich einige Überlegungen gekostet, ich hatte ja keinen Efeu mehr. Oft bin ich durch den Garten bis ich, fast wie der Ochs vorm Berg, vor meinen Buchsbuschen gestanden bin. Wie kann man so oft an der Lösung vorbeigehen?

Antonella Scialdone: Pasta Madre, Pane Nuovo, Grani Antichi

Beim Zusammenstellen unseres Jahresrückblicks-Kalenders hat Angelika entdeckt: im Jänner dieses Jahres habe ich mit Pasta Madre begonnen. Sauerteigbrot (mein geliebtes “Holzofen“) ist sowieso mein Lieblingsbrot, die Aussicht auf die Verwendung alter Getreidesorten (dazu später) daher unwiderstehlich — natürlich auch der Traum vom guten weißen/halbweißen Brot. Ich hab, wie wahrscheinlich die meisten, einiges probiert, oft nicht sooo zufriedenstellend.

Dieses Buch nun hat alles auf einen Nenner gebracht, alles was ich schon wusste und um das ergänzt, was ich nicht wusste und liefert eben auch Rezepte: eines davon (Brot aus Hartweizengries) backe ich nun schon zum fünften Mal, weil: gelingt jedesmal und ist unglaublich beglückend.

Ein bisschen muss ich gestehen — und auch das ist eigentlich ein Segen: so einfach, wie ich mir bisher Brotbacken vorgestellt habe, ist das mit der Pasta Madre (lievito madre) nicht mehr: da muss man mit dem Teig mitleben, ihn pflegen, manchmal aufwecken, aufmuntern, jetzt geh doch, komm, dann wieder muss man ihm einfach nur Zeit geben, wie es jeder verdient hat, dann braucht’s eben die Zeit — und die kann man nicht genau vorhersagen.

Ich hab also die Sauerteige für jede Getreidesorte (auch da bin ich schlauer geworden — und im Italienischen ist farro keineswegs dasselbe wie Dinkel) angesetzt, nach der genauen, gut nachvollziehbaren Anleitung und backe nun bei jedem Auffrischen, Fixstarter gibt’s, aber es kommen immer wieder auch neue dazu: so bin ich zu Einkorn und Emmer gekommen, Getreide von denen ich immer wieder gehört und gelesen (und auch einige Pakete im Depot) hatte.

Heute also wieder einmal das Brot aus Hartweizengries und Emmer: da beginnt der Backtag um 7:00 und endet am frühen Abend, dazwischen wird aufgefrischt, quellen lassen, geknetet, gefaltet und gerastet. Das alles beschreibt Antonella in ihrem Buch sehr genau, verdichtet wird das in sehr schönen Schemazeichnungen, die sich sehr gut einprägen.

Also: unbedingte Empfehlung für dieses Buch. Es gibt eine Einführung in alle wichtigen Themen des Backens (ohne dass etwas anderes als Interesse notwendig wäre) und enthält 55 besondere Rezepte. Und es ist unglaublich schön fotografiert (von der Autorin) und grafisch gestaltet (von Anna Ferro). Ein Schatz!

So stell ich mir das jeden Tag vor

håt sie gsågt (mit einem Zwinkern), und eigentlich geht’s mir ganz gleich (kein Problem, hab ich mir gedacht). Aber jetzt, wo ich das Bild anschau, merk ich erst wieder, dass das eben nicht jeden Tag so gelingt, so sein kann. Dass jeder Tag ein Geschenk ist und solche Tage ein ganz besonderes.

Jetzt wird er miar übermütig

Hermann und seine PASTA MADRE!