Traditionen und Geschichten auspacken

Das gehört zu den heiligen Momenten des Jahres. Wenn die Krippen aus den Tiefen des Depots wieder an die frische Luft kommen. Zum aus- und einatmen, zum Wind drüber wehen lassen und um die vielen Spinnfäden zu entfernen. Ein paar davon bleiben, wie es sich gehört – diesen Spinnerinnen des Friedens.

Und dann hole ich die Schachteln mit den Figuren. Eine jede einzelne eingepackt in Papier. Leider nicht mehr dieses Raschelpapier, das mein Papa verwendet.

Die Vorfreude bleibt gleich, auch das Staunen, wenn sie da liegen, auf dem Stück Papier.

Schön und aussagekräftig wie eh und jeh…

Jahr für Jahr – Tradition im besten Sinne…

Deis isch ou sou a Kräuterhex

So der Kommentar meines Vaters. Das Rezept für diesen besonderen Ansatz hat meine Mutter – eine Kräuterhexe – von eben dieser Kräuterhexe mir Kräuterhexe vorbeigebracht.
Eine spezielle Mischung aus Nadelhölzern und Schafgarbe. Wer auf das Datum und den Mond schaut, weiß: Das können nur Kräuterhexen.
Die Tinktur ist ein Allheilmittel, dient der Stärkung, kann eingerieben werden oder mit Honig eingenommen werden. Wenn das nicht wahre Wunder tut….

Isländisch Moos

Meine Mutter schwört darauf. Dieses Heilmittel macht jedem Husten (auch dem Nichtraucherhusten) den Garaus. Wenn sie dann erzählen, wie sie dieses Heilmittel suchen und sammeln, sehe ich sie vor meinem geistigen Auge. Da ist soviel Lebendigkeit und Wissen und Werkeln und Zupfen und Trocknen und Auslegen und Verarbeiten und Papas Schmunzeln dabei.
Da verzupft sich der Husten schon dabei, wenn man nur die Gläser anschaut. So viel Liebe in jedem Tun und soviel Wärme. Danke enk ZWOA.

Die Winterferien

haben eine eigene Qualität, die wir heuer ganz besonders auskosten. Viel Zeit und Ruhe haben, eigentlich ist es schon so etwas wie Muße haben. Backen und kochen ohne Zeitlimit, das uns der Alltag sonst gebietet. So viele Gutigkeiten lagern wieder in unserem Heim. Noch schöner ist es dann, wenn all die Köstlichkeiten gleich bei gemeinsamen Essen mit Familie und Zufallsbekanntschaften ausgiebig zelebriert werden. Das sind dann schon die ersten Frühlingsboten, die auch symbolisch das Ratschen und das Austauschen begleiten.

Passend dazu war der Valentinstag ein gebührender Abschluss dieser Winterferien.

Der Papa

hat mich heute aus dem Impulsmagazin, einer Beilage der Tageszeitung, angelacht.

Der Verfasser des Artikels hat die Atmosphäre in unserem Haus recht treffend beschrieben und am Ende der Zeilen war ich berührt, sehr stolz und zutiefst dankbar über meinen Papa.

Zu einer der angedeuteten Geschichten mag ich meine Erinnerungen als Ergänzung dazugeben.
Als Kinder durften wir immer wieder einmal mit dem Papa mitfahren. Für mich war das jedesmal ein großes Abenteuer.
So viele neue Eindrücke, andere Menschen, spannende Erzählungen. Alleine schon im Führerhaus eines LKWs zu sitzen. Ich kann mich noch an den Geruch und an die Geräusche beim Zwischengas geben erinnern. Auch daran, dass ich wohl Löcher in den Bauch gefragt habe und an das gemächliche Dahinzuggeln auf kurvigen, steilen Straßen.
Einmal durfte ich mitfahren, die Stier vom Harlander auf die Alm zu bringen. Nach Partenen- so meine Erinnerung (der Papa würde es genau wissen).
Zeitig in der Früh, es war noch dunkel sind wir losgefahren. Laut der Erzählung vom Papa habe ich nach ca. 1km bereits gefragt, ob wir jetzt schon die Jause essen können. Ja, das mit dem Essen war immer schon so bei mir.
Nach einer langen Fahrt hat er den OM (glaube ich) geparkt, inzwischen war schon Tag geworden und wir sind ausgestiegen.
Der Papa hat dann die Bordwand aufgemacht und ich habe meinen Augen nicht getraut. Auf der Ladefläche drei riesige Stier. Dieses Bild habe ich immer noch vor Augen, die haben den gesamten Laderaum ausgefüllt. Nein, ich recherchiere jetzt nicht, weil jeder, der so einen Stier einmal gesehen weiß, dass er um die 1000kg hat. Ja, eine Tonne.
Also, ich stehe immer noch da mit meinen 5/6 Jahren und offenem Mund und erlebe, wie mein Papa einfach auf die Ladefläche hüpft, sich recht schmal macht, um zwischen den Stieren zur Rückwand zu gehen, um sie von dort loszubinden. Mit ganz ruhiger Stimme, tatschelen und kraulen hat er den Stier dann am Nasenring gehalten und ganz behutsam aus dem LKW geschoben. Den Ersten, den Zweiten, den Dritten. Ganz ein schwarzes Fell haben sie gehabt. Ich hatte als Kind nicht annähernd eine Ahnung, was da alles passieren hätte können, aber ich habe wohl allerhand gespürt. Ehrfurcht und Respekt. Und mir war eines sonnenklar: Mein Vater ist ein Held.
Mein ERSTER James Bond, der bis heute noch nicht übertroffen wurde. Sean Connery und Daniel Craig kommen nahe dran- aber nur nahe.