Archiv des Autors: Hermann

A neies Gatterle

Im Frühjahr gilt es zu schauen, was der Winter (oder die lange Zeit) so mitgenommen hat, dass man es “richten” muss. Während ein einfaches Querbrett leicht ersetzt werden kann, war für mich heuer das Gatterle zum Hennengehege eine zu große Aufgabe. Wir baten meinen Vater darum, uns eines zu machen, gern hat er das übernommen, die Skizze dafür wurde über das Handy geschickt.

Einige Wochen später holten wir es, besuchten dabei meinen Vater in seiner Schnitzwerkstatt im Ganghofer-Haus in der Leutasch und wurden dann von meiner Mutter, wie immer herrlich, bekocht.

Bei der Montage war die größte Herausforderung, die Hennen, die neugierig ohne Ende (und jederzeit fluchtbereit) sind, im Gehege auf Abstand zu halten. Unser Behelfszaun, der wenig später für Agnes eine neue Verwendung finden sollte, war da gerade recht.

Alles passte ganz genau, es mussten nur die Scharniere neu verschraubt und der Überflugschutz neu montiert werden.

Jetzt muss es nur noch ein bisschen grau werden, das macht der Regen und ein halbes Jahr!

Cacio e pepe

Dieser Beitrag erscheint anlässlich Fabrizios Geburtstag! Um ihn zu feiern hab ich mich an einem Klassiker der römischen Küche versucht – Fabrizio ist aus Rom. Wie er es kocht hat er mir bei unserem letzten Besuch bei ihm und seiner Familie verraten … wir hoffen sehr, uns bald wieder einmal auf den Weg dorthin zu machen.

Es ist ein einfaches Rezept, das er oft für seine Familie zubereitet (manchmal etwas abgewandelt mit Ricotta). Er hat mir eine Besonderheit eingeschärft: du darfst die Nudeln nicht in frischem Wasser kochen, sondern in einem, in dem schon einmal Nudeln gekocht wurden.

Nun: nichts leichter als das – unsere Mitbewohner, Hennen und Hunde, bekamen also wieder einmal Spaghetti (das sind die abgebildeten), und in diesem Wasser wurde dann weitergekocht (ohne Haustiere oder ohne Lust auf zweimal Nudeln: ausführliche Anleitung mit einem anderen Wasser-Trick).

Warum gibt es eigentlich bei uns (in Tirol) keinen Pecorino? Schafe hätt’s genug.

Je Person: 4 EL Pecorino, 1 schwacher TL schwarzer Pfeffer in einer Schüssel herrichten. Die Nudeln (10 dag Linguine) kochen, dabei mit dem Kochschaum den Käse zu einer Creme verrühren. Gut untermischen! Wein!!

Nonnetti

 

ist ein Kaffee, der uns grad ganz gut passt – uns und zu uns. Wir sind keine 18 mehr: und das ist keine Klage. So wie die beiden alten Leut (das bedeutet der Name) da sitzen und ihren Kaffee genießen, sitzen wir beide nicht selten beeinander. Ohne (solche) Kopfbedeckungen, aber das kommt ja vielleicht auch noch!

Der Kaffee ist mild aber trotzdem kräftig im Geschmack. Sowohl der Espresso als auch der Cappuccino schmecken herrlich!

Endlich: Was für Sägen!

Jetzt sind wir mehr als zwölf Jahre im Haus, vieles schon wurde aus Holz gebastelt, aber das fehlte noch immer: ein guter Fuchsschwanz und eine große Bügelsäge – zum gemeinsamen Sägen! Ein fantastisches Geburtstagsgeschenk von Angelika.

Unsere Lockenweide hatte gleich zwei Äste, die gekappt werden mussten. Mit diesem Gerät, das noch dazu sehr liebevoll verziert ist, war das eine Freude. Schade, dass nur zwei Äste abzusägen waren!

Die Schwalben sind wieder da

Sorglos schlummert die Brust und es ruhn die strengen Gedanken.
Auf die Wiese geh’ ich hinaus, wo das Gras aus der Wurzel
Frisch, wie die Quelle mir keimt, wo die liebliche Lippe der Blume
Mir sich öffnet und stumm mit süßem Othem mich anhaucht,
Und an tausend Zweigen des Hains, wie an brennenden Kerzen
Mir das Flämmchen des Lebens glänzt, die röthliche Blüthe,
Wo im sonnigen Quell die zufriednen Fische sich regen,
Wo die Schwalbe das Nest mit den thörigen Jungen umflattert,
Und die Schmetterlinge sich freun und die Bienen, da wandl’ ich
Mitten in ihrer Lust; ich steh im friedlichen Felde
Wie ein liebender Ulmbaum da, und wie Reben und Trauben
Schlingen sich rund um mich die süßen Spiele des Lebens.

Hölderlin, 1797, zit. nach Bibliotheca Augustana

Ich warte im Frühjahr schon darauf, dass sie kommen, heuer waren es zwei, vor drei Wochen. Jetzt aber ist schon was los bei uns – und ich weiß auch warum. Zwei Häuser weiter sind zwei Schwalbennester und unser Garten und sein Umfeld sind hervorragendes Jagdgebiet für sie. Während sie bei gutem Wetter recht hoch fliegen, fliegen sie manchmal so tief, dass man meint, sie mit der Hand greifen zu können.

Ihr Gezwitscher ist herrlich, ihre akrobatischen Flugkünste faszinierend, ich kann ihnen lang dabei zuschauen, wie sie scheinbar der Schwerkraft trotzend in den Lüften tanzen. Am faszinierendsten sind ihre Begegnungen in der Luft, so schnell, dass man schon genau schauen muss. Vor dem Nest dasselbe: das Futter wird oft im Flug übergeben und schon geht es wieder ab in den Garten.

Schnelle Hollandaise

Bis jetzt hab ich eine Hollandaise immer ganz “nach Vorschrift” gemacht. Geht eh (meistens). Aber als ich in der Süddeutschen gelesen hab, dass ein Profi inzwischen diese schnellere und gelingsichere bevorzugt, wollt’ ich es wissen. Angelika hat Tiroler Feldspargel mitgebracht — teuer, aber sehr, sehr gut!

Die Soße ist tatsächlich sehr gut und kann vorbereitet werden – ein großer Vorteil, sonst hab ich bei einem Essen immer direkt vorher (manchmal nervös) gerührt und gehofft.

Rezept für vier Personen: 3 Eigelb, 1 hartgekochtes Ei, 4 EL Zitronensaft, etwas Salz und Cayennepfeffer mit dem Stabmixer verarbeiten und dann ¼kg geschmolzener Butter langsam zugeben und zu cremiger Masse mixen.

Gerhard Polt & Well-Brüder aus‘m Biermoos

Es war mein Geburtstagsgeschenk von Angelika und hätte an diesem Tag stattgefunden — vor zwei Jahren! Dann wurde es um ein Jahr verschoben, dann wieder um eines und gestern fand es endlich statt. Was ist inzwischen alles passiert! Sodass es noch einmal auf der Kippe stand, ob sich das für uns ausgeht.

Unsere erste Unternehmung seit Monaten! Wir waren beide aufgeregt und machten uns schon drei Stunden vorher auf den Weg. Bei herrlichem Wetter gondelten wir, wie so manches Mal früher, nach Kempten. Wir bummelten Richtung Innenstadt, nicht sicher, wie weit die Kräfte reichen würden. Beim Künstlerhaus blieben wir dann (wie meistens) hängen, die Sonne schien noch in den Biergarten. Und genossen jede Minute, saugten jeden Moment Leben in uns auf. Etwas trinken,  dann noch eine Kleinigkeit zu essen (ein sehr guter Burger), abschließend Kaffee. Und soviel(e) zum Schauen…

Zurück bei der Bigbox saßen wir bald erwartungsvoll auf unseren Plätzen auf der Galerie. Hätte man ein Klassenbuch führen müssen, wäre man mit dem Notieren der Zuspätkommenden wohl nicht mehr fertiggeworden, aber vielleicht wussten die ja von der Vorgruppe, die man höchstens als „gut gemeint“ einordnen konnte.

Aber dann kamen endlich die drei Well-Brüder und Gerhard Polt: nahmen einen sofort mit Musik und Wort gefangen. Das Programm, als Feier ihres 40-jährigen gemeinsamen Auftretens konzipiert lieferte im ersten Teil einen  Mischung aus vielem Bekannten (ein bissl aufgefrischt), nach der Pause auch für uns Neues, wie etwa den Auftritt von Polt als Festredner auf der Veranstaltung eines Medizinkonzerns zur Feier der neuerlichen Steigerung der Operationen der im Wintertourismus Verunfallten. Da offenbart sich, wie so oft in den von ihm dargestellten Figuren, der Irrsinn nur langsam und wird dann genüsslich durchgespielt. Den Tiroler hätten wir ihm sprachlich sofort abgenommen.

Aber auch in anderen Sprachen ist er daheim und so endete der Abend klassisch mit einem Lied „vom schwarzen Kontinent“— Emambwele.

Erste Mahd

So hoch ist das Gras auf der Sonnenseite schon gestanden, dass es für die Sense gerade die richtige Länge hat. Und daher: statt einer kleinen Runde mit den Hunden Arbeit im Garten. Viel gscheiter, und ums Training braucht man sich keine Sorgen zu machen. Da ist der Puls gscheit raufgegangen, immer wieder waren Verschnaufpausen nötig: einmal für die Sense – endlich hab ich mir wieder einmal Zeit zum Dengeln genommen, das hat sich rentiert, und ein paar Mal für mich, um etwas zu trinken und durchzuschnaufen.

Über das Gras haben sich dann die Hennen gscheit gfreut. Und ich war am Ende des Tages so müde und zufrieden wie selten.

Heuer hat es so ausgeschaut, dass zwei Bäume “der Schlag getroffen“ hat (wie es meine Mutter sagt). Schwarz und trieblos stehen sie Ende April da, während es rundherum austreibt. Für den Sanddorn haben wir keine Hoffnung mehr, obwohl wir ihm(ihr?) letztes Jahr einen Gefährten spendiert haben, schade. Aber die Weide („die kann man doch gar nicht umbringen, die ist wie Unkraut“ sagt meine Mutter) beginnt tatsächlich jetzt wieder zu treiben. Überall!

Taubnesselnockerln

Wie schon die Sauerkrautpuffer ist dieses Rezept aus dem „Bayerischen Super Food Kochbuch“. Eigentlich für Brennnesseln, aber auch mit den milderen Taubnesseln, die bei uns gerade schön jung dagestanden sind, ganz fein. Der Bergkäse gibt Würze. Als Beilage haben wir einen Rest Karotten gebraten, das Öl davon eignet sich dann gut für die Nockerln.

1 Zwiebel in 2 EL Butter anschwitzen und 100 g gehackte Taubnesseln (bei den jungen dürfen auch die Stiele dabeisein) ein paar Minuten dünsten und abkühlen. 1 Ei mit ¼ kg fettem Topfen verrühren, 5 dag geriebener Bergkäse und 20 dag Dinkelmehl einarbeiten, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Darf auch über Nacht rasten.

Ostern 22

Ein Ostersonntag, ganz anders. In der Früh noch eine Runde nur mit Emma, Vega will gar nicht mit und verschläft den Vormittag.

So vieles haben wir schon durchstanden. Und so sind Angelika und ich Romeo und Julia. Vom ersten Stock durchs Fenster in den Hof. Sprechen übers Handy. Um 5 wird das Abendessen kommen.

Wir hoffen auf Montag.

Apulisches Brot — einfache Version

Das apulische Flammenbrot ist wunderbar. Man kann es etwas einfacher haben: die Rollen in Scheiben schneiden und backen. Und, wie lange sollte man die Brötchen backen? Zwischen 10 und 15 Minuten. Die Antwort ist wie so oft: in der Mitte!

Pastete. Forelle und Rotwein.

Eine der Erinnerungen aus dem Pan e vino. Ach!

Carbonara

Klassiker und bekannt: stimmt. Aber mit den Eiern unserer unermüdlichen Hennen ganz besonders. Und mit den selbstgemachten Nudeln aus Sauerteig noch einmal anders.

Das Rezept ist einfach: Speck und Eier, die Fragen sind zahllos, welcher Speck, Eigelb oder ganze Eier…

Egal. Vieles ist möglich. Vieles ist herrlich. Rotwein steht nicht im Rezept. Sollte.

Rosa

Perfekt ist dieser Wein — bis zur Flasche und ihrer Gestaltung — aus dem so besonderen Jahr 2021. Angelika hat ihn aus diesem Anlass vom Weingut bestellt, das wir vor sechs Jahren besucht haben: ein unvergesslicher Besuch, der Chef selbst hat uns bei einer kleinen Führung mit seiner Philosophie vertraut gemacht.

Ein Rosé Saignée aus den roten Trauben Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt: mild, feine Himbeer- und Kirscharomen. Ich hab zuerst an einen Blauburgunder gedacht, tja. Perfekt, um einen Sonntag zu feiern.

Es war schon späterer Vormittag und daher aßen wir eine Kleinigkeit: Angelika ihren fein gedünsteten Chinakohl, ich freute mich über die lange gehortete Dose, die mir Angelika bei unserem letzten Besuch in Orta San Giulio 2017 aus dem Pan e vino mitgenommen hat: gefüllte Calamari in pikanter Soße. Was für ein Genuss!

Spaghetti mit schwarzem Knoblauch

Ein Beitrag aus Splendido hat mich fasziniert: endlich eine Idee, was ich mit meinem schwarzen Knoblauch – fermentierter Knoblauch, der Tage bei etwa 60° trocknet – anfangen könnte. Ich hatte noch gut zwei Knollen, besorgt hatte ich ihn damals bei meinem ersten Versuch aus Ottolenghis Simple – Sprossenkohl: wie außerordentlich gut das war kann man hier nachlesen.

Und das geht ganz einfach — pro Person: Sardelle(n) in Olivenöl (wenig: etwa 1 EL je Sardelle) schmelzen lassen, den Knoblauch (halbe Knolle) dazugeben und mit Suppe aufgießen. Die Zehen zerdrücken, das geht leicht. Die nicht ganz fertig gekochten Nudeln darin gar werden lassen. Darüber etwas Burrata (auch Ziegenfrischkäse), Kapern waren auch ein paar wenige gehackt dabei, (Original: Pulver – hab ich keins).

Sehr mild, ganz fein knoblauchig, wärmend und schmeichelnd. Ein bissl ein Winteressen. Aber bei uns liegt eh Schnee, Anfang April. Hat schon der Prince gsungen.