Tarpl, Wirler, Riebler – Erdäpfelschmarrn

Das ist eins der Gerichte aus Angelikas Aufwachsen, das ich überhaupt nicht kenne, auch nicht unter einem anderen (seltsamen) Namen. Wenn sie an dieses Gericht denkt, kommt sie ins Schwärmen und zwar gscheit.
Also hab ich einen zweiten Anlauf genommen, vor Jahren hab ich schon einmal probiert, das war was ganz anderes.

Und wie bei vielem liegt auch hier der Engel im Detail: wenn alles zusammenpasst – die Kartoffeln, der Mais, die Butter, wie man’s röstet – dann ist das etwas ganz Besonderes, sehr, sehr gut und eben was ganz neues.

Also: etwa 200g Kartoffeln pro Person (ich hab rote genommen, die sind recht festkochend aber nicht speckig) kochen und auskühlen lassen (am besten am Vortag und über Nacht!), dann wie für ein Püree zerstampfen und vor dem Braten in der Pfanne mit rohem Maisgries (da haben wir einen herrlichen) überstreuen und vorsichtig untermischen, sodass noch kleine Klümpchen übrigbleiben, die rundherum Maisgries haben – nicht so dicht wie beim Panieren aber von der Idee her ähnlich. Dann in einer Pfanne (am besten portionsweise) anbraten lassen, wenden und dann erst zerteilen und noch ein bisschen rösten: wie man halt einen Schmarren macht. Nicht zu trocken werden lassen, salzig (mit Salz und Pfeffer, vielleicht sogar ein bisschen Käse) oder süß (mit einem Kompott – wir haben unsere Quitte genossen) servieren.

Beim ersten Mal – und so liest man’s auch wenn man danach sucht – hab ich Mehl statt Maisgries verwendet, das ist schon in Ordnung; und viel zu viel geröstet, das waren nur mehr kleine dunkelbraune Körndln. Diese Variante ist pfiffiger und bringt auch geschmacklich noch was dazu. Wärmste Empfehlung!

Angeblich früher ein verbreitetes Frühstück – auch zum Kaffee. Kann ich mir sehr gut vorstellen!

6 Gedanken zu „Tarpl, Wirler, Riebler – Erdäpfelschmarrn

  1. Hermann Beitragsautor

    Jetzt hat’s mir natürlich keine Ruhe gelassen und ich hab nachgeforscht. Dabei bin ich auf das schöne Büchlein “Das Radio-Tirol-Wörterbuch der Tiroler Mundarten” gestoßen, von Hans Moser, bei dem ich auf der Uni Innsbruck mit großem Vergnügen seine begeisterten und begeisternden sprachwissenschaftlichen Vorlesungen gehört habe.

    Der Wirler kommt vom wurlen, zerreiben und ist eine bröselig geröstete Teigspeise.
    Der Tarpl (Terpl oder Terggl) kommt von einer ganz alten althochdeutschen Bezeichnung für einen ungesäuerten Kuchen und bezeichnet geröstete Laibchen aus Mehl.
    Der Ribler (Ribl) hat mit reiben (mittelhochdeutsch noch riben) zu tun und ist eine Bezeichnung für Grieß- oder Kartoffelschmarren.

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    1. Brigitte Brüssau

      So hat meine Mutter, die in Natters bei Innsbruck aufgwachsen ist, den Wirler zubereitet: gekochte Kartoffeln mit der Gabel zerdrücken, salzen, pfeffern, mit Mehl “so nach Gefühl” mischen und in Fett goldbraun braten. Dazu gab es grünen Salat. Das war sehr lecker! Zur Zeit bin ich in der Wildschönau im Urlaub und habe einige junge Leute nach dem Gericht gefragt, aber nur eine junge Frau kannte es, wie obeb beschrieben.

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  2. Pingback: Wirler mit Radicchio und/oder Quitten | Klockerei Blog

  3. Maria Ufer

    Ich kenne Tarpl so wie oben beschrieben. Der einzige Unterschied ist, das meine Oma Mehl und Polenta verwendet.

    Komischerweise kennt keiner meiner Freunde hier in Tirol das Gericht

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    1. Hermann Beitragsautor

      Hallo Maria,
      danke für die Anregung, das werden wir das nächste Mal auch probieren: weißt Du, ob Deine Oma ein besonderes Mehl verwendet hat, griffiges oder glattes und wieviel? — oder “nach Gefühl”, “bis die Masse richtig ist” :-).
      Wir wundern uns, freuen uns aber jedesmal sehr darüber, dass dieses Rezept auf unserem Blog recht oft gelesen wird.

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  4. braunegger sabine

    der wirler, eine kindheitserinnerung! je länger der auf dem Herd vor sich hinrösten darf, umso knuspriger aussen und eräpfelzart , innen.
    wurde auch mit apfelmus (schafnasen!!) und kristallzucker gegessen

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