Das Sterben und die Todesstunden

Die Sonne taucht die Berggipfel in ein weiches, warmes Goldgelb. Ruhe,Stille und Frieden liegt in der Luft.
Mein Kaffee dampft vor sich hin und erweckt meine Lebensgeister Schluck für Schluck.
Ja, ich mag heute diese Erfahrungen, die ich schon gezählte vier dutzendmal hinter mir habe zu Papier bringen – zu digitalem Papier.
Der Lehrplan, die Lebenserfahrung, zahllose Bücher, Vorträge, Filme, meine Hospizausbildung und das entsprechende Praktikum dazu haben mir die eine oder andere Theorie zu diesem Thema gelehrt. Leben gelernt habe ich dieses Sterben mit meinen Hennen. Ich habe damals nicht im Geringsten erahnen können, was es bedeutet eine Hühnerschar zu erleben. Sie waren mit einer Entscheidung Teil meines Lebens – diese Geschöpfe Gottes.

Ja, alle Erscheinungsformen des Lebens sind Teil der Natur und Teil der Schöpfung – das mit Gott und dem Göttlichen kann jeder für sich ausmachen. Sie sind einmaliges und einzigartiges Geschenk und somit unwiederbringlich Teil des Ganzen. Wir atmen dieselbe Luft, schauen auf denselben Sternenhimmel und lassen uns von derselben Sonne erwärmen.
Die geteilte Zeit und die Liebe sind die Grundfeste jeder Beziehung zu einem anderen Lebewesen. Ja, eine Henne, mit der ich Tag für Tag durchs Leben gehe, kann mir mehr fehlen als ein Mensch, mit dem ich keine Zeit mehr verbringe… auch das ist Sterben – immer weniger miteinander…

Jetzt bremse ich mich ein, um nicht eine Abhandlung über die Formen des Sterbens und des WERDENS zu verfassen. Ich mag noch einmal zurück zu diesen existenziellen Erfahrungen, ein Lebewesen im Sterben und in seiner Todesstunde begleiten zu dürfen.
Ja, zu dürfen. Wenn die Zeit der Chancen, der Möglichkeiten und der Heilung vorbei sind und wenn ich, um in den Worten von Günter zu bleiben, DER HOFFNUNG NICHT MEHR AUF DEN LEIM GEHE, dann, ja dann ist diese unwiederbringliche Zeit des Sterbens und der Todesstunde da.

Da liegen sie dann in den meisten Fällen auf meinem Schoß, der Kamm und die Lappen haben schon an Farbe verloren. Die Augen stellen dieselben Fragen. Verwunderung, Angst, ich kenne mich nicht aus, bist du noch da?… das gelebte Leben noch einmal in Erinnerung rufen… in meinen Armen noch einmal durch den Garten gehen, Sonne im Gefieder spüren…langsames, ruhiges Atmen, aufbäumen und wieder ruhig werden. Das Essen und das Wasser kann man dann beiseite stellen, das ist nur mehr hinderlich in der Vorbereitung zum Fliegen – zum großen Übergang des Lebens – von einem Ort zum anderen. Der Kopf wiegt sich hin und her, sagt noch einige Male NEIN und JA zum Erlebten. Wenn ich großes Glück habe, gibt es noch den einen oder anderen Augenaufschlag… letzte Blicke, die alles klären.

Tiefe Ehrfurcht breitet ihren Mantel aus, die Welt bleibt draußen und diese weichen, warmen Tränen rinnen über die Wangen. Das ist kein Schmerz und kein Weh mehr…jetzt und in der Stunde unseres Todes…nur mehr dieses Wunder Leben.

Ich bin unendlich dankbar, mit all diesen Wesen, das Sterben derart erleben zu dürfen. Sie sind mir wahre Lehrmeister dieses Wunders geworden…

Unser Haiderl

eine der federfüßigen Gartenzwerge, eine der Discoqueens, wie sie von Mazi liebevoll genannt wurden, ist so gegangen, wie sie gelebt ohne: still und leise, ohne großes Aufsehen. Wir verdanken ihr neben ihrem selbstbewussten und unkomplizierten Wesen zahlreiche Eier und eine Glucke, die es mit zwei Katern gleichzeitig aufnahm. Danke Haiderl, tua miar sie alle schian griaßen.

Dieses Foto brauche ich jetzt noch für mich

Wie ein Formel 1 Bolide

ist sie immer um die Kurve geglüht, wenn es etwas zu essen gegeben hat. Fast nur auf einem Bein. Unsere La Mamma, die wir vor 3 Jahren aus Pfronten geholt haben, mit der Bitte, ihr einen Gnadenplatz zu geben, weil sie schon sehr alt ist und keine Eier mehr legt. Luise hat noch sehr lange Eier gelegt- ihre waren fast rund- und sie hat unser aller Herzen täglich im Sturm erobert. Unsere GRANDE DAME, mei Knåttel!

Mit Coco

Auf meinem Schoß

Beim Kuscheln mit Eva

Bei der Siesta

Logo, gehe ich mit nach Italien.
Luise, danke für dein Leben.
Danke für dein Sterben.
Gib Gas in all den Kurven des Universums!