Archiv des Autors: Angelika

Die Flaschengalerie

Angefangen hat alles damit, dass ich ein paar Weinflaschen für das Blumenwasser aufgehoben habe. So habe ich es mir bei meinen Eltern ( bei uns ist der Papa der Blumenwasserchef) abgeschaut. Nach dem Regenwasser ist abgestandenes, wohltemperiertes Wasser das Beste für die Zimmerpflanzen.

Ja und dann gab es spezielle Essen, Besuche, Feiern, Feste, Urlaubsdomizile, Geschenke ….

Diese speziellen Flaschen habe ich dann immer aufgehoben und im Haus aufgestellt. Ab und zu, unnd dazu eignen sich Ferien ganz besonders, gilt es diese auch abzustauben. Bei jeder einzelnen fallen mir dann Erinnerungen und Geschichten ein.

Und dann glänzen sie, zumindest für ein paar Tage, wieder um die Wette.

Versuche und Erkenntnisse

Seit Hermann das Thema um die eingelegten Eier angegangen ist, werden allerlei Arten von Eier kochen ausprobiert und zur Perfektion gebracht. Eier sollen sich beim Kochen frei bewegen können, daher kocht er sie jetzt in der Pfanne. Für mich ist es fast ein meditativer Vorgang. Die verschiedenen Farben, Formen und Größen, wasserfreie Zonen, Blaselen, die aufsteigen und die Eier ins Schweben bringen….Am erfrischendsten, im wahrten Sinne des Wortes, ist aber der Moment, wenn Hermann plötzlich vor die Türe springt, um sie dann mit EISWASSER abzukühlen. Es gibt immer was zum schauen in unserer Küche!

Tageslicht ist Tageslicht

Jede Veränderung, die Hühnerschar betreffend, bedeutet meist eine bauliche Veränderung.

Die Brutweiber sind im Schupfele untergebracht. Eine sogenannte Tageslichtlampe sorgt für Licht und Wärme. Für die kalten Tage war das auch ausreichend, aber jetzt, da es wärmer wird und die Sonne den ganzen Tag herrlich scheint, wollte ich den ausdauernden Mädels doch Frischluft und ein Erdbad in der Sonne ermöglichen.

Hermann ist nicht nur der Meisterkoch im Haus, er ist auch ein sehr geschickter Handwerker. Im Handumdrehen hat er einen Schutz gebaut, der passgenau in den Türrahmen gesteckt werden kann. Seitdem hört man hinter der Folie ein glucksendes Gurren, die Erde fliegt gerade so durch die Luft, wenn die brütenden Damen ihr Erdbad nehmen. Während der Brut gibt es ein tägliches Bad, um ja von allen Ungeziefern befreit, wieder auf die Eier zu sitzen. Wunder Natur!

Es war einfach

ein herrlicher Tag heute. Manch herzlichen Lacher haben uns unsere gefiederten Mitbewohner entlockt. Ihr Tag war heute unter dem Motto: MAL SCHAUEN, WO ES WAS ZUM PICKEN GIBT? Der Unterschied zwischen Garten und Wohnraum war ob der Intensität der Sonne nicht mehr so klar erkennbar. Die Lust, die Freude, die Unbedarftheit und der Schalk war ihnen in jedem Schritt anzusehen. Das kann sehr ansteckend sein.

Einen Antrag auf Erteilung

eines Antragsformulars… so oder so ähnlich lautet eine Liedzeile von Reinhard Mey. Das beschreibt die EUROPÄISCHE, im speziellen die österreisch/ italienische Art und Weise einer Namensänderung in Folge einer Heirat im Ausland. Wir sind bei Antrag 038 angelangt, sind im Moment auslandsreiseunfähig und warten auf unsere neuen Dokumente, die dann auch die gewünschten Namen zwecks Eheschliessung tragen sollten.

So ganz nebenbei könnte ich Seiten füllen über die Geschichten der hier abgebildeten PAPIERE.

Und: Hätte uns jemand erkannt??? Ja, lang, lang isch es her!!!!

Suppen einwecken

Wenn bei uns eine Suppe gekocht wird, dann nimmt Hermann meistens einen der großen Töpfe. Gerade in den Wintermonaten mögen wir am Abend, oder nach einem Schitag, oder einer Schitour gerne eine wärmende Suppe. Damit unsere Gefrierschränke nicht gleich randvoll sind, sind wir dazu übergegangen, die Suppen einzuwecken. Es hat sich recht bewährt und in arbeitsintensiven Zeiten sind wir recht froh, wenn wir auf eine abwechslungsreiche Kost zurückgreifen können. Und unerwarteten Gästen haben wir so immer etwas anzubieten.

Nur in ganz seltenen Momenten

stellen sich Katzenbesitzer, nein das Wort gibt es eigentlich gar nicht, stellen sich Menschen, die bei Katzen im selben Wohnbereich leben dürfen die Frage, wer ist der Herr im Haus? Wenn etwas neu ist, noch besser, neu und teuer, am allerbesten einmalig, dann wird es von den wahren Herren des Hauses belegen, begutachtet oder getestet.

Lebensgeschichten

Bei uns auf dem Land gibt es sie noch, die Traditionen rund ums Sterben und rund ums Beerdigen. Wenn man zu einer Beerdigung oder zu einer Aufbahrung geht, bekommt man zur Erinnerung ein Sterbbildl mit.
In den letzten Wochen haben sich diese drei Bilder “angesammelt”. Sie stehen im weiß glasierten Keramikkunstwerk von Petra. Und, wie es bei uns so der Brauch ist, zünden wir allabendlich ein Kerzl für die Verstorbenen an. Damit sie einen guten Übergang haben.
Drei ganz besondere und vollkommen unterschiedliche Biografien begleiten uns zur Zeit. Mit allen hatten wir auf die verschiedenste Art und Weise zu tun. Und wenn ich mir dann zu späterer Stunde, wenn die Arbeit getan ist und der Feierabend zu Ende geht, eine Weile die Zeit nehme, um mir die Fotos anzuschauen, dann wird mir sehr bewußt wie einmalig ein Leben ist. Und mir wird jedesmal noch klarer, wie großartig alle ihr Leben gemeistert haben. Und jeder und jede hat uns etwas vom EIGENEN hinterlassen.

…, es schneibelet, es geaht a kuahler Wind

diese Zeilen eines Kinderreims, den mir meine Eltern immer wieder vorgesagt haben, sind mir bei dem heutigen Wetter in den Sinn gekommen. Wenn es so stürmt und schneit, ist der Kamin ein ganz feiner Ort zum FUIER SCHAUEN und wärmen. Für Tier und Mensch. Da werden die Plätze verlost, weil Katze und Hund und Angelika sich den wärmsten Ort aussuchen.

Stallgeflüster

Die zwei Leidensgenossinnen haben sich das feine Platzl geschwisterlich geteilt. Antonia ist soweit genesen, dass wir sie gestern wieder zu den anderen in den Stall gebracht haben. Ein frisches, rohes Ei wirkt manchmal Wunder. Immerhin hat es alles in sich, was ein Küken braucht, um sich nach 21 Tagen ins Leben zu schlüpfen.

Das haben wir durch einen Zufall entdeckt. Eines Tages ist uns ein Ei auf dem Weg aus dem Stall zu Boden gefallen. Alle Hennen haben sich wie wild draufgestürzt und getrunken und gepickt. Seitdem bekommen alle geschwächten Hühner ein frisches, rohes Ei zur Stärkung und zur Kräftigung.
Im Schupfele haben wir nach dem Umbau im Depot einen zweiten Tisch, eigentlich eine Bierbank hineingestellt und damit eine zweite Etage eingerichtet. Damit die Bruthennen sich ein wenig aus dem Weg gehen können. Hennen in der Brut verteidigen ihr Nest auch gegenüber anderen Hennen in der Brut. Ich kenne keine mutigeren Wesen als Bruthennen. Die nehmen es mit jedem und allem auf, wenn es darum geht ihr Nest zu verteidigen.

Das ist ein Tisch!!!

war der erste Satz von Eva als sie unser neues Prachtstück gesehen hat. Lange haben wir gewartet, bis unser zentraler Bereich im Wohnraum, dort wo Leib und Seele zusammengehalten wird, mit den entsprechenden Möbelstücken gewürdigt wurde.

Gestern war es endlich soweit. Was wir uns Anfang November als Weihnachtsgeschenk bestellt hatten, wurde gestern nach der versprochenen Wartezeit geliefert.

Ein Tisch, der aus uralten Stadlbrettern hergestellt wird. Jedes Teil eine Einzelanfertigung, erst nach der Bestellung wird mit der Herstellung begonnen. Länger und breiter als der alte Tisch ist er. Acht Personen können luftig rundherum sitzen. Bei den Stühlen haben wir uns für Lodenbezüge in hell- und dunkelgrau entschieden und als Ergänzung zum massiven Tisch mit recht viel Schwung im Holz.

Es ist ein Traumort geworden. Sehr gemütlich und sehr bequem. Man hat so das Gefühl als ob die Wärme, die diese alten Bretter über all die Jahrzehnte aufgesaugt haben, sich im Raum ausbreiten und dabei Geschichten erzählen. Jetzt ist es komplett, unser Haus und ganz unser Haus!

Einmal Hund und einmal Henne

so haben wir uns gestern beim Tierarzt angemeldet. Hermann und ich haben beim abendlichen Tagesrückblick unsere Beobachtungen ausgetauscht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Vega wieder Anzeichen von ihrem alten Leiden hat. Dies hat sich dann auch bei den Untersuchungen bestätigt. Nach einem klärenden Gespräch mit dem Tierarzt, das sich zu einem guten Teil mit der BERUHIGUNG meiner Sorge beschäftigt hat- da hat er sich über all die Jahre immer auch als guter Menschenbehandler gezeigt- haben wir dann die Entscheidung getroffen, sie von ihrem alten und ständigen Leiden zu befreien. Noch haben wir ein paar Tage Zeit, um sie ( und uns) gut auf den Eingriff vorzubereiten. Der Rest liegt nicht in unseren Händen. Ich hoffe sehr, dass wir in ihrem Sinne entschieden haben.

Antonia

ist vorgestern eigenartig langsam herumgewandert. Das hat mich aufmerksam gemacht. Dann beginnt meist eine Kopf-, Erfahrungs-, Bauchgefühl- und Instinktdiskussion. Bis dann alles abgewogen war, ist einiges an Zeit vergangen. Gut, erstmal für eine Nacht in die Wärme. Das wirkt manchmal Wunder. Außerdem sieht man dann sehr klar, ob mit der Verdauung alles in Ordnung ist. Bei Antonia war nichts mehr in Ordnung, obwohl sie sehr ruhig und gelassen gewirkt hat. Also ab zum Tierarzt. Ja, sie hat eine Legenot. Legenot behoben und behandelt.
“Ja, Wärme ist gut.” Das sagt er immer, wenn ich frage, ob ich sie noch DRINNEN lassen soll. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er weiß, was drinnen ist.
Egal, fürs erste war ich einmal heilfroh, dass wir diese lebensbedrohliche Situation abwenden konnten.
Gut hat sie sich gefangen. In der Früh war dann auch schon wieder ein wenig essen und trinken angesagt.
Und so spaziert zur Zeit nebst den Katzen und Hunden Antonia durchs Haus, pickt alle Brösel auf und freut sich sehr darüber, dass sie nicht im Stallele, sondern am Stallele schlafen darf.
Wenn der Heilungsprozess weiterhin so fortschreitet, darf sie bald wieder zu den anderen.

So stell ich mir Genesung vor, überall a paar Gutelen zum picken.

Emma und Vega verstehen nicht ganz, warum Antonia jetzt alle Brösel picken darf. Sie haben doch immer für einen sauberen Boden gesorgt.

Wider der Vernunft- für das Leben

Es gibt Hühnerrassen, die als ausgezeichnete Brüter gelten. Zum Beispiel Seidenhühner!!! Jeder, der mit ihnen zu tun hat, weiß das. Sie werden gerne mit anderen Vögeln gehalten, um deren Eier auszubrüten. Sogar und speziell in der Falknerei. Manchmal habe ich das Gefühl, sie sehen Brüten als ihre Bestimmung.

Wir haben ein paar Mädels, allen voran Afra, Little Miss Sunshine und Lotte, die alle paar Wochen brüten. Leer brüten. Wer damit konfrontiert ist, brütenden Hennen die Eier weg zu nehmen, weiß wie herzzerreißend ihre Schreie dabei sind. Zudem kann dieses Zu-oft-Brüten die Hennen schwächen. Letzte Woche ist dann etwas eingetreten, womit wir alle nie gerechnet haben. Unsere Anna, die ob ihrer Fähigkeit zu singen, nach DER Netrebko benannt wurde, hat zu brüten begonnen.

Zwei Hennen haben wir das Versprechen gegeben, wenn sie jemals brüten wollen, dann dürfen sie das auch. Berta und Anna. Berta hatte nie das Bedürfnis und Anna hat sich einige Jahre Zeit gelassen.

Jetzt war da zum einen das Versprechen und zum anderen die Sorge um die anderen drei, ob die je wieder aus ihrer Brüterei rauskommen. Nach einigen Überlegungen, von den Sommerferien rückgerechnet, die übrigen Reisepläne dazugelegt, war für mich die Entscheidung klar.

Jetzt galt es noch, mir Hermanns ergänzende Überlegungen abzuholen und einmal darüber zu schlafen. Die Anzahl der Eier – es sollten befruchtete sein – hat er (“ich hab gesehen, wie patschert die Hähne sind!”) mit vier je Henne angesetzt – ich hätt nur drei genommen. Hab ich damals gesagt.

Der Holzschupfen wurde umgestaltet und Brut- und Kükengerecht hergerichtet. Die Damen einzeln übersiedelt und dann kam der Moment ihnen die Eier unterzuschieben. Diese Blicke bleiben unvergesslich. Der Hals wurde schon recht lang und der Schnabel bereit, diesen Schrei auszustoßen. Ich habe ihnen die Eier ganz nah an den Körper gehalten und dann war da diese Bewegung des ganz weich und breit auf die Eier niedersinken, begleitet von diesem zufriedenen Gurren. ALLES IST GUT.

19 Eier liegen unter vier Damen. Selig sitzen sie und trauen mir langsam wieder, wenn ich sie streichle, dass sie ihre kostbaren Eier behalten dürfen.

Manchmal entscheiden wir uns wider die Vernunft, aber hoffentlich für das Leben.

Sophia

Es gibt so Geschichten, die uns passieren, da ringe ich immer eine Weile, ob ich sie an diesem Ort niederschreibe. Wenn wir unser Hausbuch weiterhin, so wie früher, mit der Hand in schön gestaltete Bücher schreiben würden, dann hätten wir diese Geschichte aufgeschrieben.
Da dieser Ort, wenn auch öffentlich, weiterhin ein Hausbuch zum Nachschauen sein soll, bekommt diese Geschichte jetzt hier ihren Platz.
Allen langjährigen Bloglesern kommt dieses Gefieder sehr bekannt vor. Zwei wunderschöne federfüßige Gartenzwerge waren einmal Teil unserer Schar. Ihre einmalige Schönheit war der Grund für die Namen, die wir ihnen gaben: GINA (Lollobrigida) und SOPHIA (Loren).
Es ist ungefähr eineinhalb Jahre her, es war der Beginn der Sommerferien, jener Sommerferien, in denen wir 20 Küken hatten. Ich war schon am Einschlafen, da kam mir in den Sinn, dass ich Sophia heute nicht auf ihrem Platz auf der Kotstange gesehen habe.
Also wieder raus aus den Federn und mit der Stirnlampe in den Stall. Nein, sie war nicht da. Wir haben gesucht und gerufen und geputtet. Nichts. Am nächsten Tag wieder am gesamten Grund und in jeder Ecke Nachschau gehalten. Nichts. Auch rund um unseren Grund. Nichts. Wir haben keine Anzeichen eines Kampfes gefunden. Sie war einfach nicht mehr da. Vielleicht ist sie irgendwo brüten und kommt nach einiger Zeit mit ihren Küken wieder. Solche Geschichten hört man immer wieder. Ich habe gewartet, Tage gezählt, immer wieder einmal ihren Namen gerufen und gewartet.
Irgendwann habe ich dann die Hoffnung aufgegeben und ihren Namen auf die Ahnentafel geschrieben. Aber über all die Monate war da immer wieder einmal der Gedanke: IRGENDWANN FINDE ICH SIE.
Am Wochenende war Aufräumen im Schupfele angesagt. Holz- und Heubehälter sollen langsam leer werden, um Platz für Neues zu schaffen. Ganz unten in der hintersten Ecke habe ich dann den ausgetrockneten Körper von Sophia gefunden. Jede Feder ist noch dran. Daneben lag ein Ei.
Wie sie dahin gekommen ist und warum sie nicht gerufen oder geschrien hat und Hennen können bei Gott schreien, werde ich wohl nie erfahren. Es hat mich traurig gemacht, dass es manchmal, so hat es den Anschein, mit verkehrten Dingen zugeht. Jetzt bekommt sie mit ihrem Ei einen würdigen letzten Ruheplatz.