Archiv für den Tag: 19. April 2015

Past’ e fagioli

Wohl kaum überraschend habe ich nach den letzten Erfahrungen auch gleich ein weiteres Gericht, das seit langem auf meiner persönlichen Warteliste steht, nach dem Rezept von Claudio probiert: Bohnen mit Nudeln. Klingt nicht besonders beeindruckend; viele werden leider auch meinen, Bohnen (und Linsen) wären nicht sehr bekömmlich, das Bauchgegrummel nachher nicht wert. Bitte: erstens nützt viel (=langes, mindestens 12 Stunden) Einweichen und nachheriges Spülen der Bohnen auch wirklich viel; zweitens lohnt es sich ungemein!
Also: während die Bohnen in Salzwasser weichkochen, aus 15 dag Weizenmehl und 7 dag Harzweizengries mit Wasser einen geschmeidigen Teig kneten. Nach etwas Rasten dann lange Rollen formen und kleine Stücke schneiden (etwa 5×5 mm). In etwa 1o Esslöffeln Olivenöl eine Stange Staudensellerie, eine Knoblauchzehe und einen Peperoncino ziehen lassen und etwa die gleich Menge wie Öl passierte Tomaten dazu – aufkochen lassen. Dann die in Salzwasser gekochten Nudelstücke dazu und mit Kochwasser zu einer Suppe aufgießen.
Dieses Rezept findet sich ebenfalls im neuen Kochbuch von Claudio del Principe, das die digitale Bibliothek Wien dankenswerterweise bereits für mich Provinzler zur Verfügung gestellt hat: Italien vegetarisch.

Man kann kaum beschreiben, wie toll dieses Rezept aus wenigsten Zutaten funktioniert: die Bohnen, Tomaten und Nudeln vermählen sich auf harmonischste Weise und es bleibt ein langer, feiner Abgang noch Stunden später!

Frittata di spaghetti

Früher hat man Reste für Tiere gesammelt – etwa das, was sonst auf den Kompost kommt für die Hennen. Wir haben für unsere Hennen fast jeden Tag eine besondere Zugabe – gekochter Reis, Spaghetti, manchmal Kartoffeln (die mögen sie nicht so…), Salat. Heute war’s ein bisschen umgekehrt.
Die Reste der Nudeln, die für die Hennen bestimmt waren (und die sich auch begeistert gegessen haben), waren wie geschaffen für unser Abendessen: ein klassisches italienisches Reste-Essen, das wir von Ines kennen: eine frittata (also eine Art Omelett, aber natürlich ohne Mehl oder Milch oder Sahne) aus den restlichen Spaghetti: was gerade da war (ein bisschen Paprika, Käsereste, ein Peperoncino, frische Brennnesseln aus dem Garten – die sind gerade herrlich jung und zart!) zu den Spaghetti, die in etwas Olivenöl flach in der Pfanne liegen, und mit den Eiern eben auffüllen. Nach einigen Minuten wenden – fertig! Dazu passt natürlich Rotwein, wir haben uns anlässlich unserer letzten Reise für einen Montepulciano d’ Abbruzzo entschieden – „Bajo“ – unglaublich gut für den Preis!

Und der Cipollino freut sich über ein weiteres Essen aus seiner Heimat, von dem er selbstverständlich seinen Anteil bekommt. Alle sind glücklich!

Ave Maria, piena di grazia

Es ist schon eine Weile her, dass ich in dieser Ecke unseres Blogs den Gedanken und Empfindungen freien Lauf gelassen habe. Wie so oft sind es Begegnungen, die den Anlass dazu geben.
Die ersten Jahre, die wir in diesem Haus verbracht haben, haben zahlreiche Kreuze den Altar und die Wände geziert. Nach heftigen Auseinandersetzungen, die ich mit diesem Gott, auch mit seinem Sohn hatte, hatte ich genug von der männlichen Seite dieser Kraft.
Ich bin keine Marienverehrerin, mit ihr, so wie sie oft dargestellt und gehandhabt wird, konnte ich noch weniger anfangen. Bis zu dem Tag als ich erkannte, welch weiche Trotzmacht im Leben dieser Frau zu finden ist. Wieviel Mut und unsägliches Vertrauen. Meine Mutter hat mir ihre erste Ikone, die sie selbst gemalt hat, geschenkt. Also habe ich alle Kreuze in einer Schachtel verstaut und Mamas Ikone auf den Altar gestellt. Die Haltung und der Blick dieser Frau tun mir jeden Tag aufs neue Wohl.

Das Rosenkranzgebet mag ich seit ich es in der kargen Kapelle in Bizë/Albanien gehört habe. Pater Jack hat die Schwestern damals gebeten, für meine Großmutter, die an diesem 30. Dezember gestorben war, zu beten. Die fremde Sprache und der vertraute Ablauf haben all die tröstende Kraft dieser Worte entfaltet. Da kann ich mich fallen lassen und bin getragen und aufgefangen.
In diesem Gebet gibt es einen Satz, der mich seit diesem Tag begleitet und trägt. Er beinhaltet für mich all den Trost der Welt:

HEILIGE MARIA MUTTER GOTTES, BITT FÜR UNS SÜNDER, JETZT UND IN DER STUNDE UNSERES TODES. AMEN.

Heil und Heilung.

Den Namen Maria höre ich immer in der gesungen Form aus dem Musical West Side Story. Maria,….

Eine ledige Mutter, die den unvorstellbaren Mut und den Glauben hatte, Gottesgebärerin zu werden. Nicht nur zu werden, auch zu leben, bis zum Kreuz und darüber hinaus.

Und als Antwort auf die Leichenfelder zweier Weltkriege hatte Papst Pius XII die Aufnahme Marias in den Himmel als Dogma der Welt verkündet.

Steh mir bei, wann immer ich mich von mir, den Menschen um mich herum und vom Göttlichen abgesondert habe.

Der Trost schlechthin, meist ist meine Seele an dieser Stelle schon vollkommen zur Ruhe gekommen, sind die Worte JETZT UND IN DER STUNDE UNSERES TODES. Jetzt, in diesem Moment.

Und in der viel besungenen und viel beschriebenen Todesstunde.

Amen. So sei es.

Wie alle Beteiligten in diesem Artikel gehört Goethes Faust zu einem meiner Lebensbegleiter.

Bilder von Amorgos, vom Tanz und vom Lechtaler Höhenweg tauchen vor meinem Auge auf.

Mit Marietta heiß diskutiert und neuerlich zur Weltliteratur erkoren, im Tiroler Landestheater als Tanzaufführung erlebt, und in der Sonne liegend auf einem Grasrücken, mitten in der Bergwelt von Hermann vorgelesen bekommen. Da stehen sie sich gegenüber, die zwei Wettbrüder, Gott und Satan und finden keine Lösung. Keine Erlösung für die Beteiligten. Und übergeben alles dem EWIG WEIBLICHEN. Mit der Bitte: Jungfrau, Mutter Königin, Göttin bleibe gnädig.

Aus La Verna, meinem ersten Franziskusort, habe ich mir dieses Gebetsband mitgenommen.

AVE MARIA, PIENA DIE GRAZIA….Santa Maria, Madre di Dio, prega per noi peccatori, adesso e nell’ ora della nostra morte. Amen.

Heute habe ich es um den Quittenstamm gewickelt.

Wo sonst.

Und es steht wohl an, diesen Satz in der nächsten Zeit immer wieder zu beten.

Für eine gute Sterbestunde.

Bleibe gnädig.

Wenn die Sonnenstrahlen

die Erde dann genug aufgewärmt hat, heißt das Motto: WIEVIELE VON UNS PASSEN IN DAS KÜKENERDBADL?

Das, was diese Tage so besonders macht, ist nicht auf die Bilder zu bringen. Das Gezwitscher der Vögel, die Arien, die Anna seit ihrer Brut wieder singt. All die Laute, wie sie sich miteinander unterhalten. So sanft, so voller Zartheit und so liebevoll, durchwachsen vom kraftvollen Krähen der Hähne.

Alles ist so ruhig,

an diesen Sonntagen, so dass die Ausreißer, sobald der Reis vertilgt ist, nichts wie raus auf die Straße und auf die Nachbarfelder wollen. Kein Lärm weit und breit, kein Auto, nur die Ruhe eines Sonntagmorgens.

Jene Sonntage

an denen wir das zweite Frühstück am Sonnenplatzl einnehmen. Die Hennen ihren Reis und wir eine der zahlreichen Kreationen von Hermann.

Es ist

einer jener herrlichen Sonntage, an denen wir Haus und Hof genießen. Wenn der Tag mit Sonnenschein beginnt und die morgendliche Gartenrunde aufzeigt, was das Leben trotz schneebedeckter Berge schon zum Vorschein gebracht hat.