Ave Maria, piena di grazia

Es ist schon eine Weile her, dass ich in dieser Ecke unseres Blogs den Gedanken und Empfindungen freien Lauf gelassen habe. Wie so oft sind es Begegnungen, die den Anlass dazu geben.
Die ersten Jahre, die wir in diesem Haus verbracht haben, haben zahlreiche Kreuze den Altar und die Wände geziert. Nach heftigen Auseinandersetzungen, die ich mit diesem Gott, auch mit seinem Sohn hatte, hatte ich genug von der männlichen Seite dieser Kraft.
Ich bin keine Marienverehrerin, mit ihr, so wie sie oft dargestellt und gehandhabt wird, konnte ich noch weniger anfangen. Bis zu dem Tag als ich erkannte, welch weiche Trotzmacht im Leben dieser Frau zu finden ist. Wieviel Mut und unsägliches Vertrauen. Meine Mutter hat mir ihre erste Ikone, die sie selbst gemalt hat, geschenkt. Also habe ich alle Kreuze in einer Schachtel verstaut und Mamas Ikone auf den Altar gestellt. Die Haltung und der Blick dieser Frau tun mir jeden Tag aufs neue Wohl.

Das Rosenkranzgebet mag ich seit ich es in der kargen Kapelle in Bizë/Albanien gehört habe. Pater Jack hat die Schwestern damals gebeten, für meine Großmutter, die an diesem 30. Dezember gestorben war, zu beten. Die fremde Sprache und der vertraute Ablauf haben all die tröstende Kraft dieser Worte entfaltet. Da kann ich mich fallen lassen und bin getragen und aufgefangen.
In diesem Gebet gibt es einen Satz, der mich seit diesem Tag begleitet und trägt. Er beinhaltet für mich all den Trost der Welt:

HEILIGE MARIA MUTTER GOTTES, BITT FÜR UNS SÜNDER, JETZT UND IN DER STUNDE UNSERES TODES. AMEN.

Heil und Heilung.

Den Namen Maria höre ich immer in der gesungen Form aus dem Musical West Side Story. Maria,….

Eine ledige Mutter, die den unvorstellbaren Mut und den Glauben hatte, Gottesgebärerin zu werden. Nicht nur zu werden, auch zu leben, bis zum Kreuz und darüber hinaus.

Und als Antwort auf die Leichenfelder zweier Weltkriege hatte Papst Pius XII die Aufnahme Marias in den Himmel als Dogma der Welt verkündet.

Steh mir bei, wann immer ich mich von mir, den Menschen um mich herum und vom Göttlichen abgesondert habe.

Der Trost schlechthin, meist ist meine Seele an dieser Stelle schon vollkommen zur Ruhe gekommen, sind die Worte JETZT UND IN DER STUNDE UNSERES TODES. Jetzt, in diesem Moment.

Und in der viel besungenen und viel beschriebenen Todesstunde.

Amen. So sei es.

Wie alle Beteiligten in diesem Artikel gehört Goethes Faust zu einem meiner Lebensbegleiter.

Bilder von Amorgos, vom Tanz und vom Lechtaler Höhenweg tauchen vor meinem Auge auf.

Mit Marietta heiß diskutiert und neuerlich zur Weltliteratur erkoren, im Tiroler Landestheater als Tanzaufführung erlebt, und in der Sonne liegend auf einem Grasrücken, mitten in der Bergwelt von Hermann vorgelesen bekommen. Da stehen sie sich gegenüber, die zwei Wettbrüder, Gott und Satan und finden keine Lösung. Keine Erlösung für die Beteiligten. Und übergeben alles dem EWIG WEIBLICHEN. Mit der Bitte: Jungfrau, Mutter Königin, Göttin bleibe gnädig.

Aus La Verna, meinem ersten Franziskusort, habe ich mir dieses Gebetsband mitgenommen.

AVE MARIA, PIENA DIE GRAZIA….Santa Maria, Madre di Dio, prega per noi peccatori, adesso e nell’ ora della nostra morte. Amen.

Heute habe ich es um den Quittenstamm gewickelt.

Wo sonst.

Und es steht wohl an, diesen Satz in der nächsten Zeit immer wieder zu beten.

Für eine gute Sterbestunde.

Bleibe gnädig.

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