Lebenskreise

sind sich bei und um die Fasnacht herum begegnet. Die Bewerbung über die sozialen Netzwerke hat ein Video angeboten, das die Herstellung der heurigen Larveln, die man beim Einführen bekommt, zeigt. Ich schau mir das an, bin schwer beeindruckt über das Können des Künstlers in der Glasfachschule. Irgendwoher kenne ich diesen Mann? Es klingelt, die Erinnerung ist wieder da. Es ist jener Lehrer, der Adela, die vor 16 Jahren diese Schule besucht hat, das Handwerk des Glasfaches beigebracht hat.

Mein Gott,wie oft hat er ihr aus der Patsche geholfen, wenn das Glas wieder ein zersprungen ist oder sie zum Zug nach Reutte wollte, weil sie sonst in Kramsach bleiben hätte müssen.

Ihr Gesellenstück ziert eine unserer Wände und ich weiß, wer ihr das alles beigebracht hat.

Ausgerechnet dieser Mann hat diese wunderschönen Gebilde hergestellt. Den Link dieses Videos habe ich sogleich an Adela geschickt, mit der Frage, ob sie diesen Mann kennt. Wir haben beide über die unglaublichen Zufälle des Lebens gestaunt.

Die Larveln von Herrn Gritsch, eingeführt von Björn und Niklas, zieren jetzt den Stiegenabgang. Der letzte Blick des Tages, bevor ich zu Bett gehe und der erste nach dem Aufstehen.

Tarpl, Wirler, Riebler – Erdäpfelschmarrn

Das ist eins der Gerichte aus Angelikas Aufwachsen, das ich überhaupt nicht kenne, auch nicht unter einem anderen (seltsamen) Namen. Wenn sie an dieses Gericht denkt, kommt sie ins Schwärmen und zwar gscheit.
Also hab ich einen zweiten Anlauf genommen, vor Jahren hab ich schon einmal probiert, das war was ganz anderes.

Und wie bei vielem liegt auch hier der Engel im Detail: wenn alles zusammenpasst – die Kartoffeln, der Mais, die Butter, wie man’s röstet – dann ist das etwas ganz Besonderes, sehr, sehr gut und eben was ganz neues.

Also: etwa 200g Kartoffeln pro Person (ich hab rote genommen, die sind recht festkochend aber nicht speckig) kochen und auskühlen lassen (am besten am Vortag und über Nacht!), dann wie für ein Püree zerstampfen und vor dem Braten in der Pfanne mit rohem Maisgries (da haben wir einen herrlichen) überstreuen und vorsichtig untermischen, sodass noch kleine Klümpchen übrigbleiben, die rundherum Maisgries haben – nicht so dicht wie beim Panieren aber von der Idee her ähnlich. Dann in einer Pfanne (am besten portionsweise) anbraten lassen, wenden und dann erst zerteilen und noch ein bisschen rösten: wie man halt einen Schmarren macht. Nicht zu trocken werden lassen, salzig (mit Salz und Pfeffer, vielleicht sogar ein bisschen Käse) oder süß (mit einem Kompott – wir haben unsere Quitte genossen) servieren.

Beim ersten Mal – und so liest man’s auch wenn man danach sucht – hab ich Mehl statt Maisgries verwendet, das ist schon in Ordnung; und viel zu viel geröstet, das waren nur mehr kleine dunkelbraune Körndln. Diese Variante ist pfiffiger und bringt auch geschmacklich noch was dazu. Wärmste Empfehlung!

Angeblich früher ein verbreitetes Frühstück – auch zum Kaffee. Kann ich mir sehr gut vorstellen!

PS: Den bis jetzt besten hab ich hier beschrieben.

Mit den Kaminern

beende ich mein Schwelgen in den Erinnerungen zur IMSCHTER FÅSNÅCHT. Sie waren heuer unsere Begleiter vom BONDER bis zum SCHLUSSKROAS. Wer das Dazwischen sehen und erleben will hat diese Möglichkeit 2020.

Punkt zwölfe geahts lous

In den vorigen Beiträgen habe ich schon erwähnt, dass es unsere Fasnacht war. Für dieses Schemenlaufen habe ich mir einen anderen Platz fürs ZWÖLFE LAITE ausgesucht. Die kleine Terrasse beim HIARSCHEWIRT.

Wieviele Imster und Imsterinnen schauen wohl zu diesem Zeitpunkt auf die Turmuhr?

Wenn dann der Kapellmeister den Taktstock hebt, weiß das Herz, das für einige Schläge aussetzt oder sich überschlägt, IATZ GEAHTS LOUS. Täterätätätitä,Tätärätätätätätä
Alle, die dazu in der Lage sind, singen mit: Die Fasenacht, die Fasenacht….und bei jedem Schemenlaufen und bei jeder Buabefasnacht kann ich die zweite Zeile nicht mehr singen, weil sich die Zacher und die Rührung direkt auf die Stimmbänder setzen.

Die ersten Sackner und Spritzer erscheinen und im Hintergrund hört man sie tanzelen. Bereit für ihren großen Tag.

Der Vorroller pemselt und dann ist die Klangwolke da. IATZ KLUMPERETS.

GONZ WIATIG UND GSTOUBE BAN HIARSCHEWIRT IN DAR OBERSCHTADT DOUBE.

Die Spannung

Am Friedhof

Es ist sehr selten der Fall, dass am Fasnachtstag kein schönes Wetter ist. Aber wenn die Prognosen Schnee oder Regen ankündigen, weiß ich meinen Vater immer fragende und klare Worte an die verstorbenen Fasnachtler richten. So auch heuer. Der verstorbene Obmann mit dem er sechs Mal das Schemenlaufen mit organisiert hat, hatte kein Weihwasser mehr im Weichbrunnenkessel. Daraufhin geht mein Vater mit dem Plastik einer abgebrannten Kerze in die Kirche und holt Weihwasser. Das Füllen des Weichbrunnen kommentiert er mit folgenden Worten: “Wenns miar do sou nass hobe, brausch du ou it in Truckene liege(viele Rufezeichen)”

Bei Schönwetter sind die Larven, die Gröller und die Gschaller außerhalb der Friedhofsmauer aufbewahrt. Und wenn ich die Fotos so betrachte, werde ich das Gefühl nicht los, dass die verstorbenen Fasnachtler beim Petrus heuer ein ganz besonderes Gehör gefunden haben.
So viel haben sie schon lange nicht mehr von der Fasnacht gesehen. Und sie wissen ja, die Imschter kennens- bei jedem Wetter.

Heilige Orte

Das hat die Imster Pfarrkirche noch nicht oft miterlebt, dass nicht die Messbesucher auf den Bänken Platz nehmen, sondern Larveln- eine schöner als die andere. Ein heiliges Gewimmel und Getümmel der besonderen Art. Petrus hat es wohl so angeordnet und so haben wollen.

Die vierte Generation

Viele meiner Fotos haben heuer eine Unschärfe. Nein, es war nicht der Schnee und nicht der Regen. Die Zacher haben wohl verschleiert, was für mein Auge klar war. Das Gefühl, wenn sie dann kommen, beim Aufzug, die, denen man sich verbunden und nahe fühlt, kann ich bis heute nicht beschreiben. Dafür habe ich bis heute noch keine Worte gefunden. Die vierte Generation Roller und Scheller der Familie Mark: Björn und Niklas
Zwei Roller, die ihrem Papa in ihrem Schlonz, ihrer Anmut, ihrer Sprungkraft, ihrem Können und ihrer Eleganz nicht viel nachstehen. Es ist wohl das Schwesterherz, das seinen Bruder immer noch als SCHIANSCHTEN ROLLER in Erinnerung hat.

Inser Fåsnåcht

Heuer war es nicht nur eine außergewöhnliche, ganz besondere, magische und mysthische Imschter Fåsnåcht, es war auch unsere Fåsnåcht- die von Hermann und mir.

Ein Tag, an dem ich kein Kind im Tragetuch oder in der Kraxe hatte, niemanden angezogen oder eingenäht habe, keine Fotos machen sollte, keinen Tee ausschenken oder Würstel herrichten durfte, niemandem dieses herrliche Treiben zu erklären hatte.

Nur schauen und hören und staunen und wundern und berührt sein und bereichert werden. Und ganz DERHUAM sein.

Bereits um fünf Uhr sind wir losgefahren um rechtzeitig zur Fasnachtsmesse zu kommen. Darüber und über das EINNÄHEN bei uns daheim wird Hermann schreiben, dazu habe ich keine Fotos( ganz meins).

Einnähen für die Fåsnåcht

Die Trachten der Roller und Scheller (die immer ein festes Paar sind) werden zugenäht – sonst könnten sie die den Beanspruchungen des ganzen Tages gar nicht standhalten.

Das ist, wie auch die Vorbereitung des ganzen Ånglegs, Frauensache. Jetzt, eine Stunde vor Beginn des Aufzugs, dem Zug zur Kirche, wo beim Zwölfeläuten alles beginnt, weiß jede, was sie zu tun hat. Geschickt, als ob sie nichts anderes täten, wird zügig und flott gearbeitet, nur manchmal gesprochen, so konzentriert läuft alles ab.

Auch wir können ein bisschen dabeisein – und bleiben fast unbemerkt!

Die Fåsnåchtsmesse in Imst

Als Nicht-Imster war für mich die Begeisterung von Angelika (und ihrer Familie) für die Imster Fåsnåcht immer zutiefst beeindruckend: da war nichts zu erklären und man brauchte und konnte es auch nicht – die war spürbar, und, ein bisschen, in den Blicken, sichtbar. Dass das alles mit närrischem Treiben oder Karneval nichts zu tun hat (höchstens am Rande), wusste ich; heuer aber nahmen wir uns einen ganzen Tag vor, für uns. Von der Messe für die Fåsnåchtler (um 6:30 in der Früh) bis zum Schlusskroas (heuer etwas früher kurz vor dem Betläuten).

Eine Messe, in der alle Teilnehmer an der Fåsnåcht – also nur Männer – die Kirche füllen – nicht nur die Sitzplätze auch die Seiten der Kirche. Frauen sind da höchstens geduldet, „wenn sie keinem Fåsnåchtler einen Platz wegnehmen“. Und sichtbar werden sollten sie auch nicht, also keinen Opfergang und keine Kommunion an diesem Tag. Am besten irgendwo hinten am Rand bleiben: wir fühlen uns geehrt, überhaupt dabeisein zu dürfen.

Die Männer sind vollzählig, jeder spürt die Kühle dieses frühen Morgens, die Verbundenheit im gemeinsamen Beginnen dieses so lange erwarteten Tages: Jahre hat die Vorbereitung auf diesen Tag gedauert, viele, die meisten sind schon seit Jahrzehnten dabei, wie ihre Väter auch, Generationen. Die Larven, des ganze Ångleg liegt bereit, bei den Frauen, zuhause.

Der Pfarrer tritt mit seinen Helfern und den Ministranten in den Altarraum und statt einer Orgelmusik beginnt ein Männerchor, der Imster Liederkranz, zu singen, in Imster Mundart:

Iatz isch er wieder då der Tåg,
auf döin me sou lång g’wårtet håt.
Då g’heart ‘s zun ålte Brauch derzua,
dass me in d‘ Mess geaht in der Fruah.

Miar sei heint då, weil Fåsnåcht isch
und bitte di, Herr Jesus Chrischt:
Geah, gib ins decht an schiane Tåg,
gånz ohne Streit und åndre Plåg.

Vielleicht röid‘sch ou in Petrus drei(n),
dass ‘s Wetter passt, geah sei sou frei!
Weil Schnea und Röige mecht mer it!
Döis war die zwoate groaße Bitt‘.

(Text und Musik von Franz Treffner jun., zitiert nach www.fastnacht.at).

Da lupfts dann auch mich das erste Mal. Im Lauf der Messe werden immer wieder, entsprechend der Liturgie, solche Strophen gesungen, manchmal nur ganz kurz. Beim Sanktus etwa:

Sanctus hoåsst heilig, und heilig bisch du.

Der Ablauf der Messe aber auch der Ablauf des Tages werden zueinander in Beziehung gebracht, sodass ich später, bei den Stationen, den Kroasen, immer wieder an diese Zeilen denken muss.
Die Melodien sind eingängig, gefühlvoll mehrstimmig vom Chorleiter Viktor Schellhorn arrangiert. Das Schlusslied weist voraus auf den Fåsnåchtsmarsch, vom Vater des Komponisten geschaffen.

Wir haben die Uraufführung dieser Messe miterlebt, sie wird uns den Tag über begleiten, und die magische Stimmung dieses Tages wesentlich mitbestimmen. Jetzt im Erinnern, mischen sich diese Lieder mit den archaischen Klängen der Gangln, dem Wechsel vom hellen Klang der Roller und dem Getöse der Scheller.

Schnappschüsse

Iatz kimmt er wieder her, der Tåg…

Der höchste weltliche Feiertag der Imster. Morgen ist es soweit und mit all dem Kribbeln, dem Wissen und der Verbundenheit haben wir heute wieder einmal im Fasnachtsbuch geblättert und die Larve in die frische Luft gebracht, dass sie wieder einmal weiß, wie sich das anfühlt.

[ tags Fåsnåcht]

Es grünt

Ein Teil der Küchenkräuter treibt schon aus und auch der Glücksklee mag seinen neuen Platz.

Die Apothekerflascheln

Ganz abgesehen davon, dass ich derartige Gegenstände sehr mag, weil sie mich an diese wunderbaren und alten Räume erinnern, in denen man allerhand Heilsames erstehen konnte, sind sie mir oft die richtigen Behälter für besondere Kräuter, Ansätze oder Heilwässer.

Schon des ö(!)fteren bin ich durch Gespräche mit Freundinnen und Verwandten darauf aufmerksam gemacht worden, dass es SILBERWASSER gibt, das gerne auch bei Tieren verwendet wird.

Bei unserem letzten Besuch in Wels habe ich mir beim Biohof Achleitner wieder ein Sprühfläschchen mit Beschreibung mitgenommen. Bei Emma, Vega und ein paar Hennen habe ich es dann auch eingesetzt und war begeistert.
Zwei Telefonate und eine Recherche später war klar, wir bestellen ein Gerät, um dieses Mittel selber herzustellen.
Zum Namenstag habe ich dann auch noch ein passendes Buch mit vielen praktischen Hinweisen erhalten. Jetzt brodelt es ab und zu in der Hexenküche.
Das Heilwasser wird in seinen verschieden Konzentrationen in den Apothekerfläschchen aufbewahrt. Bei den angeschlagen Hennen wirkt es wahre Wunder.