Archiv des Autors: Hermann

Bier- und Feinschmeckerhimmel

Jetzt haben wir ja schon öfter über Bier geschrieben, meist italienisches in letzter Zeit, aber da wir nun in Freising waren, mitten in Bayern, kann es nicht anders sein: Ehre, wem Ehre gebührt – und das sind zuallererst unsere Gastgeber. Während Claudia schon allein beruflich mit den Brauern zu tun hat und vom letzten Innovationswettbewerb von (fast 🙂 ) allen noch was zum Kosten hatte, war Robert quasi Handlungsreisender in Sachen Bierspezialitäten von ein bisserl weiter weg unterwegs – Spezialitäten von Riegele aus Augsburg – dazu später noch, wir wurden mit Spezialitäten verwöhnt und das Reinheitsgebot, von dem hier schon die Rede war, ist bei weitem kein Hindernis, unglaublich interessante und aufregende Biere zu brauen.
Es begann schon mit dem Michaeli-Märzen von Riegele, das in einer normalerweise Weinen vorbehaltenen besonderen Flasche, zur Begrüßung serviert wurde, besser als auf der Webseite kann man’s nicht beschreiben: “fröhlich im Antrunk, samtig in der Textur, fruchtig in der Erinnerung“. Zur herrlichen Speisenbegleitung dann wie erwähnt Besonderes aus den kleinen Bierschmieden: Bayrisch Pale Ale und Imperial Pale Ale von der Brauerei Schönramer etwa und noch einige andere mit handgemachten Etiketten.Dann tauchte ein besonderes Paket auf, dessen Inhalt wir erst zu Weihnachten öffnen werden, ein bisserl lesen durften wir aber schon. Wir sind höchst gespannt (und Vorfreude ist schon auch was sehr Schönes!).
Zum Schluss kam dann noch eine Ladung Einheimisches dazu – eine Auswahl Weihenstephaner zur Erinnerung. Da haben wir beim Heimkommen das Vitus gekostet. Tja. Da wundert man sich nicht mehr, wenn es Preise hagelt: Göttlich fruchtige Aromen mit dem geschmeidigen Bananen-An- und Abklang. Was für ein Ausklang!

Kartoffelsuppe italienisch

Angeregt durch ein Rezept, das Waltraud Schulz am 9. Marburger Suppenfest 2014 gekocht hat, hier nun unsere eigene Variante:

Einige Knoblauchzehen in großzügig Olivenöl heiß ziehen lassen (bis es herrlich riecht), dann die Kartoffeln (etwa 1 kg), eine Handvoll klein geschnitten getrockneter Tomaten, ebensoviel Oliven und etwa 1/4 kg Karotten darin anschwitzen und mit Gemüsesuppe aufgießen. Würzen mit Rosmarin und Oregano (jeweils einen frischen Zweig), gar kochen, abschmecken.

Jetzt kann man sie zwar schon essen, aber viel gescheiter: über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag noch einmal aufkochen (also eigentlich eine Ribollita) und mit Nudeln (wir hatten einen Rest der griechischen Nudeln, ein bisserl wie Pici) servieren. Ja, Nudeln in die Kartoffelsuppe. Wer’s nicht mag, soll sie weglassen, passen und schmecken tun sie! Was mir leider erst am Ende einfiel waren die Parmesanrindenreste, die ich mitkochen hätte können. Sollen! Beim nächsten Mal…

Μακαρούνες Καρπάθου

Schon lange liegen die Nudeln aus Olympos auf Karpathos in unserem Depot und immer wieder erinnern wir uns gerne an diesen herrlichen Urlaub und das Essen dort. Die Stimmung dort war magisch, das Essen herzhaft und bodenständig. Also hab ich mich auf die Suche gemacht und bald mehrere Vorschläge gefunden – entschieden haben wir uns für den einfachsten. Zwiebeln, dünn geschnitten (ich hab die Schneidemaschine verwendet) – zwei große reichen gerade für drei, besser mehr! – langsam auf kleiner Flamme in Olivenöl goldbraun rösten. Über die frisch gekochten Nudeln geben (das waren übrigens Vollwertnudeln, die hier die einzig richtige Wahl sind) und mit geriebenem Schaf-hartkäse bestreuen. Unglaublich, dass diese einfache Kombination so gut sein kann. Sensationell!

Fermentierte Quitten

Wir sind jedes Jahr noch glücklicher mit unserem Quittenbaum: er ist ein so schöner Baum und er trägt jedes Jahr noch größere, schönere Früchte. Seit letztem Jahr schon angedacht haben wir’s heuer endlich geschafft: der erste Versuch eines Quittenmets! Die Idee stammt von da, gerade sind 2 kg Quitten, 2 l Wasser mit etwa 1/3 l Honig (der herrliche vom Ferenc!) im Gärtopf gelandet, nun muss sich was tun (*): zuerst, offen, einige Tage gären, bis es schäumt (dabei dreimal täglich durchrühren), dann abseihen und in Flaschen füllen, kühlen – den sollte man so bereits genießen können. Oder fertiggären, wie steht in der Quelle, wir werden wohl die Hälfte gleich genießen und den Rest weitergären lassen.

(*) Ab hier ist das nur eine Aussicht – wir werden sehen und ich werde berichten!

Risotto mit Karotten

Bei unserem letzten Besuch in Abbiategrasso haben wir wieder in der L’aia gewohnt. Unser Wirt, Max, ist mit uns Reis kaufen gefahren, und jetzt, endlich, kamen wir dazu, das erste Risotto damit zu kochen. Wir hatten damals zwei Säcke Carnaroli und, auf besondere Empfehlung von Max, einen Sack Roma gekauft (jeweils 5kg). Der Carnaroli war zufällig der erste geöffnet und so haben wir ihn heute zu einem Risotto mit Karotten verkocht – da wir gerade die letzten frischen Karotten aus unserem Hochbeet ernten: das sind fast alle diese ganz besondern mit violetter Schale, die wir von Gabi zu Weihnachten bekommen haben.

Das Rezept – wie so oft aus dem „Risotti für zwei“, ist fast Grundrezept (für zwei Personen natürlich): je 2 EL Butter und Olivenöl erhitzen, 1 Zwiebel glasig rösten und Karotten (gleich viel wie Reis – nämlich je Person 90g) gewürfelt anschwitzen, dann mit Gemüsebrühe (etwa 1l, vorher erhitzen!) schöpferweise aufgießen und Rühren, Rühren, Rühren. Am Ende mit Petersilie abschmecken, etwas Hartkäse zugeben und mit geeister Butter binden – dann rasten lassen – nicht mehr aufkochen!

Der Reis war wunderbar cremig, vom Karottengeschmack und, wie man sieht auch von der Farbe, durchdrungen. Perfekt! Ein Salat gehört unbedingt dazu, für uns war es ein einfacher grüner mit ein paar Tomatenstücken.

Quitten nach Freiburger Herrenart (eigentlich: nach Claudia)

Sie hat uns in ihrer letzten Mail von diesem Nachtisch berichtet und mit der Bewertung geendet: “sagenhaft gut”.
Nachdem wir unserer eigenen Quitten gerade geerntet haben und der Sonntag Luft für solche Besonderheiten hat (vgl. auch den Hauptgang: Forelle mit Wald und Quitte) stand das auf dem Plan. Der Hinweis auf die Verwendung von gutem Rotwein hat mich dazu verleitet (glücklicherweise!) den Roten vom Andreas (Lyss 2003 aus Illmitz) zu verwenden, bei einer Quitte = 2 Hälften hab ich 2/3 der Mengen genommen. Also ein gutes Achterl ging da rein! Für den Zucker musste ich improvisieren, zum Schluss war nur mehr Staubzucker da – und das war gut so, denn der blieb auf den Quitten picken und führte nach ein bisschen übergießen mit der Sauce zu einer herrlichen Karamellhaube. Genug geschwärmt, hier ist das Rezept:
4 Quitten halbieren und das Kernhaus rausschneiden . 100 g Zucker in eine Auflaufform, die Quitten mit der Schale nach oben draufsetzen, mit 250 ml Wasser, 250 ml gutem Rotwein aufgiessen, jeweils 1 TL gemahlene Nelken und Zimt dazu. Dann nochmal 100 g Zucker oben auf die Quitten drauf und bei 200° C für eine Stunde in den Ofen. Duftet schon während des Backens nach Winter und schmeckt lauwarm zu gutem Vanille-Eis mit Sahne sagenhaft gut.

Das Ergebnis: Harry und Sally ein Lercherlschas dagegen…
Was ich ändern würde: Vanilleeis nur dann, wenn es überhaupt nicht süß ist, sonst vielleicht etwas griechisches Joghurt oder weglassen. Schmeckt wirklich galaktisch gut!

Forelle mit Quitte, Dörrzwetschgen und Fichtenzweigen

Von Ferenc haben wir eine Quittenmarmelade UND frisch gefangene Fische – Forelle und Saibling bekommen – einen im Ganzen, damit “wir nicht vergessen, wie ein Fisch aussieht” – alle anderen sind nämlich schon filetiert!! Diese so besonderen Geschenke wollten wir mit einem besonderen Rezept würdigen: Angelika hat wieder einmal eine rasende Idee gehabt: einerseits mit Wald kochen (Hallo Expo!) und andererseits die Quitte und Dörrzwetschgen dazugeben. Außer Salz sonst nichts. In der Folie, mit Olivenöl, 20-30 Minuten bei 200°C im Backrohr. Ja nicht zu lange, der Fisch wird nur trocken…
Das Ergebnis war umwerfend: die Geschmäcker haben sich vermählt, es war ein Festessen. Als Beilage eine kleine Portion Petersilreis. Und dazu – wir saßen in der herrlichen Herbstsonne – einen sensationellen Roten vom Andreas. Tipp: den ausgelösten Fisch mit dem Saft und der Fülle übergießen!

Nudeln mit Muskatkürbis und Salbei

Wir haben aus Buchkirchen ein Viertel von einem Muskatkürbis mitgenommen (der Wirt vom Morent hat einmal gemeint, das sei ein Kürbis, der wirklich gut schmeckt – und da hat er recht!) und das wurde heute zu einem sehr simplen Gericht verkocht: den gewürfelten Kürbis gut mit Olivenöl eingeölt bei 190° etwa 25 Minuten im Rohr backen, in Butter gebräunten Salbei dazu und mit Salz und Butter abschmecken ergeben eine Nudelsauce, die hervorragend schmeckt! Wir haben Fettucine genommen und natürlich etwas Parmesan dazu – herrlich!

Apfelschmarrn

Mit den Äpfeln von Marietta (halb Boskoop und halb eine alte Sorte kleine rote Äpfel) hat es heute das erste Essen gegeben: einen Apfelschmarrn, ein altes, sehr einfaches Familienrezept. Achtung: die Butter kann NICHT ersetzt werden, es braucht sie fürs Braten aber auch für den unvergleichlichen Geschmack: wenn man lange genug röstet, karamellisieren die Apfelstücke beim Braten teilweise…
Hier das Rezept: 6 Eier, 6 Äpfel, 1/4 l Milch, Mehl. Das Mehl mit der Milch recht dick anrühren, mit den Eiern verrühren. Äpfel hineinblättern. In der (beschichteten) Pfanne in Butter rösten, evtl. portionsweise. Immer wieder Butterstücke vom Rand her ein“fließen“ lassen.
Durch die Äpfel brauchts nur mehr wenig Süßes, ich mag am liebsten etwas Kristall-Rohrzucker, die meisten mögen gerne Staubzucker, wir haben dieses Mal die Flower-Power Sonnentor-Blüten-Zuckermischung, die uns Herlinde geschenk-schmuggelt hat, probiert: perfekt im Geschmack und toll zum Anschauen! Danke!!

Die nahe und die weite Welt

Der Jauerling war mir in der Vergangenheit höchstens – als es das noch gab – aus “Empfangsstörungen im Bereich des Senders Jauerling” bekannt – Meldungen, die ich inzwischen nie mehr gehört habe. Nun waren wir dort und aus dem Namen ist ein Ort mit Erinnerungen geworden und verknüpft mit den Wienern, einer Wahnsinns-Kellnerin und einer Soda-Flasche.

In der Röhrenradiozeit war es immer wieder ein kurzes Glück für mich, zuerst die österreichischen Stationen mit Städten, die ich damals nur vom DKT kannte, zu überfliegen und dann, mit einer Geschwindigkeit wie Superman durch die ganze Welt zu fliegen: Praha, Firenze, Milano, London … einige inzwischen ebenfalls prall gefüllt; andere immer noch ein Rätsel: wo bitte ist denn Hilversum?

Harira wie Shakshuka!

Jetzt würd ich ja gern tirolerisch kochen, aber bei Kichererbsen und Linsen ist die einheimische Tradition eher dünn. Aber Ottolenghi-geschult eh schon viel erfahrener. Also halt gegoogelt und gefunden: Harira hat grad all das drin, was an diesem Sonntag da war: eingeweichte Linsen (eigentlich für: Salat), eingeweichte Kichererbsen (eigentlich für eine Suppe), Tomaten sowieso immer.
Das Rezept las sich erprobt und gschmackig und war auch schnell gemacht: allerdings war’s irgendwie unrund. Und etwas trocken. Aber herrlich im Geschmack. Also beim zweiten Wärmen mutiger (und nocheinmal die Wikipedia befragt) und wie Shakshuka mit Eiern, die in der Soße halbweich garen, gemacht, auf Weißbrot serviert: göttlich!

Gut Ragù braucht Weile

Natürlich kenn ich die Geschichten von den Töpfen in der italienischen Trattoria, die den ganzen Tag vor sich hin köcheln während der Inhalt dabei das unvergleichliche Aroma und die Konsistenz entwickelt, die sonst nicht hinkriegst…

Heute wollt ich’s genau wissen (weil es sich auch einfach ausgegangen ist, nur zwei Stunden nicht zuhause) und hab das Ragù (=”Bolognese”) nicht nur genau nach Rezept von Marcella (na gut: ein bissl Pancetta und etwas Hirsch-Salsicca steht da nicht drin; im Übrigen wirklich spezielle, ich kenn kein anderes, das dem nahekommt) gekocht, und mich und den Herd auf lange Kochzeit eingestellt: gaaaaaanz wenig Temperatur. Drei Stunden Minimum schreibt Marcella, aber da hab ich erst das erste Mal gekostet. Schon recht gut, aber noch überhaupt nicht miteinander “verheiratet”, wie Angelika immer sagt.

Dann zwei Stunden in die Schule und danach schon beim Hereinkommen ins Haus DER richtige Geruch: jetzt hat’s diese Intensität und Weichheit und gleichzeitig das fleischige. Mmmmhhh. Also: nach fünf Stunden – ist da noch was drin? Jetzt (aus wissenschaftlicher Sorgfalt notwendig) eh alle 15 Minuten gekostet und es ist kaum zu glauben: nach sechs Stunden tut’s noch einmal einen Rumpelt und die gute Soß ist nicht wiederzukennen: jetzt sind die Originalzutaten überhaupt nicht mehr zu erkennen, es ist eine neue Köstlichkeit daraus geworden, unvergleichlich. Nach sieben Stunden nur mehr kleine Veränderung.

Jetzt muss ich da natürlich (morgen) Tagliatelle selber machen, aber das wird erstens eine Überraschung für Angelika und zweitens muss ich jetzt schnell zum Herd, kosten, wer weiß…

Trattoria Vinosus

In dieser Trattoria haben wir unsere Hochzeit gefeiert – vor nunmehr zwei Jahren. Der Wirt Luca Fratini hat uns damals getreu seinen Grundsätzen, dass für alle Speisen die „Qualität der Zutaten“ und das „Typische der Region“ am wichtigsten sind, ein traumhaftes Menü beschert. Leider ist er letztes Jahr gestorben – am Tag als wir dort ankamen um sein Lokal zu besuchen. Seine Lebensgefährtin Rita Angeli führt es nun weiter (und kocht!) – und das ganz in seinem Sinn: wir waren beglückt von Burrata, Tagliatelle mit Trüffeln und Ziegenkäse mit Mohn. Sofort wieder!

Der Kreuzgang in Monte Oliveto

ist wohl die berühmteste Sehenswürdigkeit dort: hervorragend erhaltene Fresken aus dem 14. Jahrhundert, bis auf 10 (von Luca Signorelli) alle von Giovanni Bai (Sodoma). Die Zeichnung der Gesichter ist unglaublich beeindruckend, die dargestellten Szenen oft von einer beeindruckenden Innigkeit, bemerkenswert (und manchmal unterhaltsam) sind aber auch Details: so sind immer wieder Hunde und andere Tiere zu sehen, und dass die Frauenfiguren (die Schäferin! die Freudenmädchen!!) erst nach dem Protest des Abts mit Kleidung versehen wurden, ist ihnen fast anzusehen…