Archiv des Autors: Angelika

Duuu, wenn mochn miar iatz den Schinken au?

Ostern 2015- wir waren in der Toskana.

Nein, ich bin in der Toskana. Eva und ich sitzen mit Emma und Vega auf dieser Parkbank. Die Sonne Italiens wärmt uns mit ihren Strahlen. Wir schmunzeln und lästern beide, wissend, dass Hermann jetzt sehr bald mit seiner Bestellung bei diesem SLOW FOOD Metzger in San Donato aus dieser Türe, die schräg hinter uns ist, herauskommen wird. Mit einem zufriedenen Strahlen in seinem Gesicht.

Seit jenem Tag liegt dieser Schinken in unserem Depot.

Den öffnen wir an einem ganz besonderenTag.

Zu einem besonderen Anlass.

Ostern 2016.

Nein.

Pfingsten 2016.

Nein.

Am 21. Mai 2016.

JA.

Bedacht und fein säuberlich, wie immer hat Hermann dieses herrliche Stück Italien am Tag VOR DER WAHL geöffnet und zum Reifen im Depot aufgehängt.

Samstag, 21. Mai 2016

Polenta aus Haiming mit Ricotta vom italienischen Markt, brauner Almbutter und Portulak aus dem Garten. Dazu eine Schüssel Klockereisalat. Kein Kommentar.

wenn alles gut ist

Wann immer es das Wetter erlaubt, sind wir in unserem Garten oder auf der Terrasse.

Und da in den Sommermonaten die Sonne weit hinter der Gehrenspitze untergeht, haben wir an diesen Tagen ein bißchen ZEIT.

Allabendlich, wenn unser Tagwerk getan ist und ich den Blick über den Garten, die benachbarten Bäume und die schützenden Berge schweifen lasse, kommt Anna, unser schwarzes Seidenhuhn zu uns an den Tisch. Meist gesellt sie sich zu Emma oder Vega, die sich immer einen Platz in unserer Nähe suchen, und schaut. Sie steht da und schaut mich mit ihren kohlrabenschwarzen Augen, in denen sich viele Erfahrungen des Lebens widerspiegeln, an.

“Hosch it nou a Gutele für mi?”- Kuchenbrösl oder so… Doch Anna, für dich habe ich immer ein Gutele- du treue Seele meines Lebens- du Sängerin der Schar.

Wenn dann die Gutelen verteilt sind, die Sonne mit ihren letzten Strahlen des Tages die Rosenblätter streichelt, der Espresso am Tisch steht, dann, ja dann, liegt Stille und Frieden über diesem Stück Land. Momente tiefster Zufriedenheit und dem Wissen: ALLES IST GUT!!

Es ist so der Brauch

Ich weiß es von meinen Eltern, vom Onkel Ander und vom Hermann. Wann immer sie spazieren oder wandern oder “am Berg” gehen, nehemen sie einen Teil der Schönheit der Natur und der Ruhe dieses Ergehens und Erwanderns mit. Beim Abstieg noch schnell ein Taschentuch in den klaren Gebirgsbach getaucht und um die Stengel gewickelt, so dass sie die Heimreise gut überstehen. Daheim dann gleich eingefrischt- selten in eine Vase, meist in irgendein Glasl.

Diese Blumengebinde- meist werden sie mit Grashalmen zusammengebunden- zeigen über Wochen und gerade im Welken und Verwelken täglich eine Facette der Schönheit der Natur.

Einen ähnlichen Brauch erlebe ich seit Jahren bei unseren monatlichen Glaubensgesprächen.

Die Hausherrrin dieser Runde, die sich seit 25 Jahren regelmäßig trifft und sich gegenseitig durch die Freuden und die Leiden des Lebens begleitet, Jutta, ist eine begnadete Gärtnerin. Bei jedem Treffen sind Geschenke aus ihrem Reich Teil der Dekoration. Am Ende des Abends, an dem über Gott und die Welt gesprochen wurde, darf jeder einen Teil dieses Schmuckes mit nach Hause nehmen. Die Maiglöckchen gehören zu den Highlights des Jahres.

Sicher ist sicher

Österreich erlebt heute eine wegweisende Wahl. Die Menschen in diesem Land entscheiden sich zwischen Angst und Zuversicht, Menschenverachtung und Menschenrechten, zwischen Zukunft und dem verdrängten Sumpf der Vergangenheit. Viele Stunden haben wir uns informiert, nachgelesen, analysiert und diskutiert. Wir sind, zumindest im Kopf auf die jeweiligen Wahlergebnisse eingestellt.

Mit all der Ernüchterung, der Bitterkeit, der Enttäuschung.

Aber auch mit all den Bildern des Mutes, des Engagements, der Freude, der Humanität, der Würde, die diese letzten Wochen geprägt haben. Wie immer, wenn es um das LEBEN geht, gehe ich lieber auf Nummer sicher- oder anders gesagt, ich brauche das für mich. Und so habe ich gestern Abend zwei Kerzen angezündet, man weiß ja nie- SICHER IST SICHER.

Und wir haben, kurz vor dem Aufgang des Vollmondes, ganz im lutherischen Sinn, die Sonnenblumen in den Garten gepflanzt.

Triebkraft

Es ist immer wieder ein Wunder für mich, wenn ich die Stauden,, die Bäume und die Rebzweige bei ihrem Austreiben beobachte. Wie abgestorbenes Holz sieht alles aus. Dann schieben sich grüne Knospen scheinbar durch die Rinden durch. Nur wenige Tage später sind die kleinen Blätter und Früchte da.

Die Stachelbeere hat heuer herrlich geblüht und eine zeitlang sehr viel Früchtchen getragen.Bis unsere Hühnerschar ihre herrliche Säure entdeckt haben. Zu dritt stehen sie oft um die Büsche herum, bekommen einen ganz langen Hals und üben sich im Hochsprung. Eine Handvoll zum Naschen lassen sie uns hoffentlich noch über.

Engelwurz

Vor vielen Jahren habe ich schon einmal den Versuch gemacht, eine Angelika- eine Engelwurz in meinem Garten heimisch zu machen. Aber nach einem Jahr war sie nicht mehr da. Bei unserem letztjährigen Besuch in Maria Bildhausen habe ich mir wieder eine mitgenommen. Sie hat den Winter gut überstanden und wächst gerade Richtung Himmel, wo sie doch für ihre Wurzeln so bekannt ist.

Seelenbotschaften

hat auch unser Garten bekommen. So schön ROT, so STRAHLEND, so FRECH und so SCHWUNGVOLL. Gesegnet die Hände, die solch ein Handwerk verstehen.

Die Hände sind das Werkzeug der Seele

So liest und hört man es von den alten und weisen Seelsorgern und Seelsorgerinnen, die Europa ihren Stempel aufgedrückt haben.

Das ist einer der Gründe, warum ich sehr gerne auf Kunsthandwerksmärkte gehe. Das Anschauen, Betrachten, Kaufen und Verkaufen ist immer mit Freude und Stolz von beiden Seiten verbunden. Gestern waren wir in Hopfen am See und haben den dortigen Markt besucht. So viel Schönes und so viel Geschick, ob aus Beton oder aus Lärchenholz war zu bewundern und zu erstehen. Ein paar dieser Seelenprodukte haben den Weg in unser Haus gefunden und bereichern es mit fröhlicher und freundlicher Energie.

Graupelschauer

Lebensweisheiten

Von meinem Vater habe ich immer wieder den Spruch gehört:” Ma hot olben nou olls derwortet, ober selten eppes dersprungen.” Der Quittenbaum hat sich heuer an diese Weisheit gehalten und den Frost und die Kälte abgewartet, um dann erst die Knospen aus dem schützenden Blätterkranz zu schieben.

Giggelen

So frech wie den Hennen hinter jeden offenen Türspalt giggelen, so frech schauen die Jungpflanzen in den Hochbeeten aus dem Erdreich hervor.

Jedes Jahr

noch ein Stück größer und breiter werden sie, die Obstbäume und Obststauden. Und es sieht fast so aus, als ob sie den Frost überdauert hätten. Das kann man, so die Information eines alten Gärtners, allerdings erst nach einer Weile sagen. Aber es schaut gut aus.

Die Tulpen

sehe ich heuer fast nur geschlossen und mit Regentropfen drauf und dran, was ihrer Schönheit nichts anhaben kann.

Portulak

gehört zu den Neuzugängen in unserem Kräuterparadies. Wir haben ihn zum Kennenlernen als Beigabe unter den Salat gemischt. Ich würde ihn am liebsten jeden Tag fotografieren, weil er AUS SICH HERAUSWÄCHST. Ein kraftvolles Sinnbild des Lebens, das sich Mutter Natur da einfallen hat lassen.