Feuer und Eis

Warnung: der Bericht ist sehr ausführlich und lang. Als Kurzfassung empfiehlt sich der erste und der letzte Tag!
Mittwoch, 23. 1.: die Wärmepumpe, die in den letzten saukalten Tagen durchgehend gelaufen war gibt keinen Laut mehr von sich. Hmm. Nachdem ich wusste, dass die Kurbelwannenheizung kaputt war (das Ergebnis aufregender Fehlersuchtage im Dezember, Notheizung mit Föhn aber immer erfolgreich), beschloss ich, die Ersatzheizung nun endlich zu montieren. Kann aber erst am Donnerstag. Haus bereits ziemlich ausgekühlt. Boiler nur mehr auf 30°. 1. Telefonat mit Technikern, Bilder über Whatsapp. Trage das erste Holz ins Haus. Zum Glück haben wir einen Ofen, der eigentlich nur für wohlige Atmosphäre sorgen soll. Nun muss er alles heizen!
[Schnipp ———————]
Donnerstag, 24.1.: Bereite alles vor. Nach drei Telefonaten Montage, sicherheitshalber auch noch Originalzustand belassend, nur mehr Anschluss und Umklemmen nötig. Beschließe die Pumpe ein letztes Mal händisch anzuwerfen. Föhn. Kompressor läuft! Heizt aber nicht. Drei Stunden, fünf Telefonate später: läuft, heizt aber nicht. Alle ratlos. Trage die nächsten Holzkörbe ins Haus. Müssen durchgehend einfeuern, sonst kühlt’s sehr schnell aus.
Freitag, 25.1.: In der Früh 17°, kein Warmwasser. In den Pausen zwischen den Schulstunden hektisches Telefonieren: was könnte der Grund sein? Was kann man machen? Vor allem aber wer? Die Firma, die die Anlage vor 9 Jahren geliefert hat gibt’s nicht mehr. Ortsansässig gibt’s niemanden. Ein Techniker aus Oberösterreich, der uns schon bei den Problemen vor einem Jahr (Wasserverlust) sehr geholfen hat, diagnostiziert via Telefon sofort (richtig) Kompressorschaden und schätzt die Kosten, immer auch Fahrtkosten dabei, für hunderte Kilometer.Die geschätzten Kosten sind grausam hoch und es ist grausam kalt.
Samstag, 26.1.: Warten auf Rückruf. Keine Klärung. Kaum Fehlersuche auf die Ferne möglich. Woher Ersatz-Kompressor bekommen, die Firma ist letztes Jahr pleite gegangen? Gibt noch welche, irgendwo in Spanien. Holz ins Haus tragen. Einheizen. Wasserkocher einschalten.
Sonntag, 27.1.: Holz holen. Einheizen. Wasser kochen. Herumdenken: vielleicht gleich die ganze Anlage tauschen, hat ja genug gezickt. Kostet dann das Dreifache. Unmöglich.
Montag, 28.1.: Ein Berater in Süddeutschland mit offensichtlich viel Erfahrung trifft nicht nur die gleiche Einschätzung wie schon der Kollege am Freitag, sondern erklärt mir auch, dass den Tausch jeder Kältetechniker durchführen kann: die haben wir in Reutte! Also ans Telefon. Erster Tipp: nein. Zweiter: Techniker kommt am Dienstag und schaut sich das an. Holz holen.
Dienstag, 29.1.: Techniker kommt, schaut sich das genau an. Glaubt dass er das machen kann, Angebot wird kommen. Angebot kommt. Kompressorpreis enorm. Holz holen. Spanier anrufen. Kann Lieferung nicht bis zum Wochenende garantieren. Holz holen.
Mittwoch, 30.1.: Verhandlungen mit Kältetechnik-Firma. Kompressorpreis? Antwort: a bissl geht, dafür die nächste Hiobsbotschaft: kann Lieferung nicht in dieser Woche garantieren, vielleicht eine Woche Lieferzeit. JETZT verschmeiß ich die Nerven. Eine Woche kalt und keine Lösung in Sicht. Noch nicht einmal sicher, dass die Diagnose richtig war. Ich spring ins Risiko, der Oberösterreicher liefert nur den Kompressor (der kann in Bad Aibling abgeholt werden), der lokale Kältetechniker montiert ihn.
Donnerstag, 31.1.: Daniel, der Techniker beginnt mit der langen Prozedur, die alle Sicherheits- und Sorgfaltsregeln erfordern: Propan ablassen, Stickstoff einblasen. Dann Kompressor umrüsten (aufdornen, verlöten, Verrohrung umbauen), Vakuumieren.
Freitag, 1.2.: Kompressor wird eingebaut, verlötet. 3,5 kg Propan werden eingefüllt. Die Heizung wird nun am neuen Kompressor installiert. Dann der große Moment. Einschalten. Wartezeiten abwarten. Klick! Mit einem eigenartigen neuen Geräusch, einem leichten Rasseln, springt der Kompressor an. Eine halbe Stunde später steigt die Temperatur an der Umwälzpumpe. Wow! Am Abend dann Wasserverlust an der Umwälzpumpe: Murphys Gesetz schlägt noch einmal zu und beschert ein defektes Sicherheitsventil. Schalte entnervt ab. In der Früh löst beherztes mehrmaliges Auf- und Zudrehen das Problem aber.
[Schnapp ———————]
Samstag, 2.2: Wir haben’s warm! Die Boilerladung hat funktioniert. Die Heizung auch. Meine Anspannung beginnt sich langsam zu lösen. 10 Tage Eis draußen und drinnen. Und ein Feuer.


Ein Gedanke zu „Feuer und Eis

  1. HerlindeHerlinde

    Obwohl ich ein bischen “Bescheid” wußte, habe ich den Bericht mit Herzklopfen gelesen. A Wahnsinn!!! Ich wünsche euch, dass alles gut und verläßlich rennt. Könnte noch etwas passieren, was man nicht erwartet?
    Zum Glück gab es den Ofen und viiiiel Holz vor der “Hütte”.

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